BAUM BÄUME WALD – Eine ANTHOLOGIE

Der Orkan KYRILL hat am 18. Januar 2007 allein in Krefeld 1200 Bäume gefällt. Dadurch ist eine Wiederaufforstung der Stadt-Verwaldung zwingend. Schließlich bezeichnet sich Krefeld als eine der grünsten Städte Deutschlands. Ich ergriff die Initiative und gründete mit dem Werkhaus e.V. das Projekt 3333 Bäume für Krefeld mit dem Ziel, dass Krefeld grün bleibt, und noch grüner wird.

Als mir die Idee zu dieser Initiative kam, wusste ich nicht viel über Bäume. Aber von da an guckte ich sie mir genauer an. Alle waren sie Königinnen und Könige, denn sie trugen Kronen. Demütig schaute ich zu ihnen hoch und nach meinem Eid, sie zu schützen, schlugen sie mich zum Ritter. Der Auftrag der Bäume bestand darin, dass wir uns um den Nachwuchs mitten in den Städten kümmern sollten.

Am 17. November 2007 wurde der erste Baum (Gingko) im Park des Alexianer Krankenhauses gepflanzt.

In Büchern suche ich nach Informationen, Gedichten, Märchen, Geschichten, Texten etc. über das Reich der Bäume. Es gibt viele, seit Jahrhunderten. Manche Beiträge werden uns geschickt. Das Ergebnis ist diese sich ständig erweiternde Anthologie, die für jeden zugänglich ist. Ein Mosaik, unterschiedlicher Sichtweisen, Meinungen und Untersuchungen.

Ich danke allen, die dieses Werk wachsen lassen.

Schicken Sie Ihre Beiträge an 3333baeumepflanzen@okay.ms
3333 * Ostwall 85 * 47798 Krefeld * Tel. 02151 772156

Unser Vorhaben wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Wir brauchen Ihre Mithilfe – pflanzt mit!

Werkhaus e. V.
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Stichwort BAUM

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CACO
2007

1 Kyrill … CACO
2 An den Wald …CHRISTIAN MORGENSTERN
3 Wald vor dem Tage … GÜNTHER EICH
4 Der Wald spricht … VERFASSERUNBEKANNT
5 Der Wald… MANFRED HAUSMAN
6 Abschied vom Urwald … HERMANN HESSE
7 Über den Bäumen… Paul Verlaine
8 15. September1774… JOHANN WOLFGANG von GOETHE
9 Zitate
10Nach RUDOLPH HAGELSTANGE
11 Rauten … HELLA ULLRICH
12 Amberbaum / Liquidambar styraciflua … KERSTIN von KLEIN
13 JEAN JAQUES ROSSEAU
14 Ansprache … JOCHEN BUTZ
15 Das keltische Baumhoroskop u. a.
16 Über„Mein Freund der Baum“ … GERDA SCHNELL
17 Mein Freund der Baum … Alexandra
18 Predigt … Birgit Schnelle
19 Dass man Menschen … aus „GRÜN KAPUTT“
20 im November … PAUL CELAN
21 Zum Glück … KERSTIN von KLEIN
22 Nach „Aschenputtel“ … CACO
23 Ein wenig wie damals … KERSTIN von KLEIN
24 2. Predigt … Birgit Schnelle
25 Seit meiner Kindheit … CACO
26Auf … RICHARD HUELSENBECK
27 Etwas von Frieden … JÖRG ZINK
28 Die Natur hat sich zum Aufstand formiert … DANKWART GURATSCH
29 Auch die Bronchialbäume sterben … DER SPIEGEL
30 Aus “Zarathustra” … FRIEDRICH NIETZSCHE
31 Im Gestern … GEPA KLINGMÖLLER
32 Dich kenne ich … PABLO NEROUDA
33 7000 Eichen … NachLOURIEN WIJERS
34 BODENVERSIEGELUNG
35 Der Schauende … RAINER MARIA RILKE
36 Tag für Tag verliert das Auge … HUGO KÜKELHAUS
37 Wenn die Bäume sterben … ASTRID CONNERT
38 Wälder sind die Lungen der Natur … WERNER GEORG HAVERBECK
39 Die Lebensrechte späterer Generationen … DANKWART GURATSCH
40 Gelobt sei die Naturgestaltung … RAINER DANSCHEIDT
41 Kreise an einem Samstag im Juni … SILKE FEHSE
42 Rede an mein Haus … JOHANN HEINRICH PESTALOZZI
43 Ein Nachruf … KARL-HEINZ RENNER
44 Wenn … CACO
45 Herr K. und die Natur … BERTHOLD BRECHT
46 aus „Die Wiese“ … KARL-HEINRICH WAGGERL
47 Bäume … KARL-HEINZ RENNER
48 Wir sind ein Land … FRANK SEIBEL
49 Der Mai ist gekommen … MAZIM HIKMET
50 Die Wanderlinde … BARBARA RATH
51 Über allen Gipfeln ist Ruh … Albert Vigoleis-Thelen
52 Bei Bäumen … ELISABETH SCHLANSTEIN
53 Die Birke … WILHELM BUSCH
54 Doktor Wald … VERFASSER UNBEKANNT
55 Was ich dir wünsche? … AUS DEM LIBANON
56 In eigener Sache … HEINZ ERHARDT
57 Zugeschickt
58 Wir sprechen von … FRIEDRICH GORISSEN
59 Bäume beherbergen … CACO
60 Nicht nur der Saure Regen … UNBEKANNTER VERFASSER
61 GINGO BILOBA … JOHANN WOLFGANG von GOETHE
62 Bäume schenken uns Luft … HILDE GUMNIOR-SCHWELM
63 Nach „Allerleirauch“ … CACO
64 Himmlisch… COSIMA BIRNBAUM
64 Bäume sind … RENATE SOMMER
65 Manchmal … VERFASSER UNBEKANNT
66 Der Obstbaum … HAKKI CIMEN

1

Kyrill

mein gott, die bäume! – es war passiert – schon oft – aber nicht so – nicht SO viele – aber so nicht – nicht mit uns! – was nun – was tun – nach diesem orkan? – da kam die idee – dann das für und wider – evt. – vielleicht – ja – nein – gezweifelt – gehofft – viel gelesen – geredet – telefoniert – gefaxt – gemailt – umgehört – gefragt – auch nachgefragt – kennst du die? – wie den auch? – ja, um`en paar ecken! – gesammelt – gefahren – abgeholt – gelagert – ein- und ausgepackt – hingestellt – aufgehängt – abgehängt – umgehängt – hier- oder dahin – also doch da – oder doch hier? – Preise gemacht – Liste gemacht – prozente? – verhandelt – gehandelt –dann – von gestern auf heute – tür und tor geöffnet – AHA – ansprache da – musik da – leute da – gesprochen – erzählt – zugehört – zugesehen – wiedergesehen – sehen gelassen – getroffen – gestaunt
MÄNSCH!– ihr und ich – wir und du – zusammen – Baum für Baum – ABER HALLO!

CACO

2

An den Wald

Wie wärst du mir so vertraut,
Wär deine schauernde Seele nicht
Seit meiner Jugend erstem Licht
Meiner schauernden Seele Braut!

Ich muss dich nicht erst suchen gehen,
Ich fühle dich so tief wie mich;
Wenn dunkel deine Wipfel wehn,
Erschaur` ich mit, dein andres Ich.

Ich bin das Moos auf deinem Grund
Und bin der Hirsch, der dich durchsteigt,
Und bin dein höchstes Vogellied
Und bin die Nacht, die dich beschweigt:

Mit tausend Sternen dich beschweigt,
Mit tausend Strahlen dich durchlauscht,
Und bin der Strom, der dich durchrauscht
Und mich, die Nacht, mir selber zeigt

CHRISTIAN MORGENSTERN

3

Wald vor dem Tage

Schräg und halb und blasser
Der Mond der Frühe hängt,
mit in das kristallene Wasser
Des Morgens gemengt.

Der Nadelwald. Die Zapfen
Liegen geöffnet im Moos.
Wegseitwärts führen Stapfen,
Vergangen und körperlos.

Der Wald haucht aus die Kühle.
Wem bin ich auf der Spur?
Der Atem den ich fühle,
Ist meiner nur.

Die dünnen Zweige schrammen
Im Dickicht mein Gesicht.

GÜNTER EICH

4

Der Wald spricht

Gehst du mit deiner Axt zu mir hin,
Bedenke, Mensch, was ich für dich bin:

Im Winter die Wärme in deinem Herd,
Dein Zelt, wenn der Sommer die Gräser verzehrt,
Der Dachstuhl, auf dein Haus gesetzt,
die Tür, durch die du gehst eben jetzt,
Der Tisch, an dem du dein Mahl einnimmst,
Die Geige, die du zum Tanze stimmst,
Ich bin für deinen Schlaf das Bett,
Ich bin deine Scheune, Brett um Brett,
Ich bin der Mast an deinem Schiff,
Ich bin an deiner Axt der Griff –

Und gehst du mit deiner Axt zu mir hin,
Bedenke, Mensch, was ich für dich bin.

UNBEKANNTER DICHTER
Aus dem Serbischen übersetzt von Hans Baumann.

5

Der Wald

Des Morgens, wenn die Waldesdämmerung
Nach Erdbeeren und Irrkraut riecht,
Ehe die Sonne durch den wirren Schwung,
Den tropfenden und kühlen Laubes kriecht.…

Der Pirol ruft schon hin und wieder,
Der Tau am Buchenstamm
Versammelt sich und sickert nieder
Ins Minzekraut und auf den Straßendamm….

Es duftet leicht vom Grunde auf,
In jeden Wipfel drängt das Wachstum hinauf,
Und alles steht so ungeheuer da und so uralt
Und schläft nicht mehr und ist nicht wach …

Dann träumt der Wald
Und denkt den weggesunkenen Zeiten nach.

MANFRED HAUSMANN

6

Abschied vom Urwald

Auf meiner Kiste sitz ich am Strand,
Drunten am Dampfer schreien
Inder, Chinesen, Malaien,
Lachen laut und handeln mit Flittertand.

Hinter mir liegen fiebernde Nächte und Tage
Glühenden Lebens, die ich schon jetzt,
Da noch der Urwaldstrom meine Sohlen netzt,
Sorgsam wie Schätze im tiefsten Gedächtnis trage.

Viele Länder und Städte weiß ich noch warten,
Aber niemals wohl wird der Wälder Nacht,
Wird der wilde gärende Urwaldgarten
Wieder mich locken und schrecken mit seiner Pracht.

Hier in dieser unendlichen leuchtenden Wildnis
War ich weiter als je entrückt von der
Menschenwelt –
O und niemals sah ich so nah und unverstellt
Meiner eigenen Seele gespiegeltes Bildnis.

HERMANN HESSE

7

Über den Bäumen

Über den Bäumen
Steht weiß der Mond;
In allen Träumen
Des Laubes wohnt
Ein Lied-Verschweben…
Oh Du – o Leben –

Spiegelnd im Weiher
Hängt schwarz und still
Der Weide Schleier;
Ein Windhauch will
Noch leis verwehen …
Laß stumm uns gehen.

Traumtiefen Frieden
Hat mild die Nacht
Der Welt beschieden;
Hoch schreitet sacht
Die Sternenrunde …
Horch: unsre Stunde – !

PAUL VERLAINE
Aus dem Französischen übersetzt von Albrecht Schönhals

8

15. September1774

Man möchte rasend werden, Wilhelm, dass es Menschen geben soll ohne Sinn und Gefühl an dem wenigen, was auf Erden noch einen Wert hat. Du kennst die Nussbäume, unter denen ich bei dem ehrlichen Pfarrer gesessen, die herrlichen Nussbäume! die mich, Gott weiß, immer mit dem größten Seelenvergnügen füllten! Wie vertraulich sie den Pfarrhof machten, wie kühl! und wie herrlich die Äste waren! Und die Erinnerung bis zu den Geistlichen, die sie vor so vielen Jahren pflanzten. Der Schulmeister hat uns den einen Namen oft genannt, den er von seinem Großvater gehört hatte; und so ein braver Mann soll er gewesen sein, und sein Andenken war mir immer heilig unter den Bäumen. Ich sage Dir, dem Schulmeister standen die Tränen in den Augen, da wir gestern davon redeten, dass sie abgehauen worden – Abgehauen. Ich möchte toll werden, ich könnte den Hund ermorden, der den ersten Hieb dran tat. Ich, der mich vertrauern könnte, wenn so ein paar Bäume in meinem Hofe stünden, und einer davon stürbe vor Alter ab, ich muss zusehen. Lieber Schatz, eins ist doch dabei! Was Menschengefühl ist! Das ganze Dorf murrt, und ich hoffe, die Frau Pfarrerin soll es an Butter und Eiern und übrigem Zutrauen spüren, was für eine Wunde sie ihrem Ort gegeben hat. Denn sie ist es, die Frau des neuen Pfarrers (unser alter ist auch gestorben), ein hageres kränkliches Geschöpf, das sehr Ursache hat, an der Welt keinen Anteil zu nehmen; denn niemand nimmt Anteil an ihr….So einer Kreatur war es auch allein möglich, meine Nussbäume abzuhauen. Siehst Du, ich komme nicht zu mir! Stell Dir vor, die abfallenden Blätter machen ihr den Hof unrein und dumpfig, die Bäume nehmen ihr das Tageslicht, und wenn die Nüsse reif sind, so werfen die Knaben mit Steinen darnach, und das fällt ihr auf die Nerven….Da ich die Leute im Dorfe, besonders die alten, so unzufrieden sah, sagte ich: Warum habt ihr es gelitten? Wenn der Schulze will, hierzulande, sagten sie, was kann man machen?

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
aus „Die Leiden des jungen Werther“

9

Zitate

Heute fallen noch immer 1.000 Bäume und mehr bei einem einzigen Flurbereinigungsverfahen.

*

Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist? Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt.

*

Zu fällen
einen großen Baum
braucht`s eine halbe Stunde kaum;
zu stehen, bis man ihn bewundert
braucht es jedoch fast ein Jahrhundert.

*

Viele Baumsorten sind ausgestorben, manche kurz davor.

*

Wieder-Bewaldung, besonders in den Industrieländern, ist zwingend.

*

Mit jedem Baum stirbt ein Gedicht

10

Wer?

Wer denkt noch daran, dass die US Militärführung, im Vietnamkrieg, aus taktischen Gründen die Wälder entlauben ließ ? Die Gegner sollten sich nicht mehr verstecken können. In diesem fast 30jährigen Krieg genügten ca. 25 Mio. Bomben nicht. Napalm sollte die Niederlage abwenden, sinnlos starben Mensch und Natur, verdammt weit weg, verdammt lange her.

In Nordindien gibt es die religiös inspirierte Chipko-Bewegung. Sie wendet sich gegen die Ausbeutung der Wälder. Mitglieder umarmen Bäume, die gefällt werden sollen. Aus dem 18. Jahrhundert wird berichtet, dass 363 Frauen von ihnen dabei einen Märtyrertod starben, mit 363 Bäumen.

Ein Blick zurück im Zorn und dann nach vorn. Bleiben wir im hier und jetzt. In unseren Landen wird der Krieg gegen Bäume langsam, still, anhaltend, geführt. Sie haben wenig Verbündete, nicht im Schwarzwald, Harz, Hunsrück, Reichswald, den bayerischen Wäldern und sonst wo.

Nach RUDOLPH HAGELSTANGE
aus „Ein Gespräch über Bäume“ 1984

11

Rauten

In meiner Hängematte
Unter heimischen Palmen
Prägen sich Rautenmuster
in meine nackte Haut
verschieben sich
und verwischen sich
lösen sich auf in heitere Luft
Südluft Tangduft Palmenbeschwörung
und fügen sich wieder
zu schöner Ordnung:
Rautenmaschige Fischernetze
trocknen unter der Sonne
bist du die Schönste
in unserer Bucht bei Sorrent
schaukeln Boote und Kiefern im Wind
schaukle ich in der Rautenmatte
unter heimischen Pappeln

Unauflöslich
Das Rautengeflecht der Erinnerung
unsre Kiefernländer unsre Palmenländer
hinter der Stirn

HELLA ULLRICH

12

Amberbaum / Liquidambar styraciflua

Der Amberbaum kommt ursprünglich aus dem Südosten der USA und ist bei uns völlig frosthart. In den USA wächst er auf feuchten Böden und in Uferwäldern. Er wird am Naturstandort 30-40 Meter hoch und ca. 12 m breit. Er ist relativ lichtbedürftig, was auch in Bezug auf die exorbitante Herbstfärbung in karmin, gelb, orangegrün und violett beachtet werden sollte. Denn grundsätzlich gilt: Je mehr Licht das Laub im Jahresverlauf eingefangen werden kann, umso grandioser die Herbstfärbung.
Zunächst wächst der Amberbaum aufrecht nach oben strebend. Erst im Alter entwickelt er eine schirmförmige Krone. Die Zweige sind rotbraun mit interessanten Korkleisten. Dies sind Ausbildungen der Borke, welche parallel zum Ast kammartig verlaufen und vor allem im Winter im laublosen Zustand den Zierwert stark erhöhen. Die Blätter im Sommer sind dunkelgrün, herzförmig und fünflappig. Die Blattform bildet einen markanten Stern. Frische Blätter strömen einen Amber-Duft aus, wenn man sie zerdrückt. Der Saft wurde in Amerika zur Herstellung von Kaugummi genutzt. Daher stammt auch die Bezeichnung American sweetgum. Im Musikinstrumentenbau gilt das weiche aber zähe Holz als gutes Resonanzholz.
Der Amberbaum wird oft als „industriefest“ bezeichnet. Dies bedeutet, dass er gut als Straßenbaum eingesetzt werden kann und auch mit einer gewissen Staubbelastung gut klarkommt. Die Pflanze ist einhäusig und hat eher unauffällige Blüten. Allerdings sind die Früchte dafür umso drolliger. An langen Stielen baumeln runde stachelige Kugeln, ähnlich wie bei Platanen. Diese Dingerchen bleiben auch den ganzen Winter über am Baum haften und ergeben ein hübsches Bild.
Das Wurzelwerk entwickelt sich herzförmig und sehr ausgedehnt. Der Boden sollte locker sein und leicht sauer mit ausreichender Feuchtigkeit. Der Amberbaum meidet Kalk. Leider werden Rinde und Wurzeln oft von Mäusen gefressen.

Grundsätzlich gilt bei jeder Baumpflanzung:

Vorbereiten der Pflanzgrube

Wenn die Pflanzgrube nicht gut vorbereitet wird, können auch eine spätere Düngung oder oberflächliche Bodenlockerung nichts mehr retten. Das Pflanzloch sollte immer eine doppelt so groß angelegt werden, wie der Umfang des Wurzelballen des zu pflanzenden Baumes mißt. Es ist ganz wichtig, den Boden der Pflanzgrube ausreichend zu lockern, damit sich nicht etwa das spätere Gießwasser am verdichteten Grubenboden sammelt und wie in einem Eimer zu Staunässe und somit zum Abfaulen der Wurzeln führt. Gute Pflanzerde findet jeder Baum lecker. In Anbetracht der Bedrohung seltener Biotope wie z.B. Moore kann gar nicht oft genug darum gebeten werden, doch endlich auf torfhaltige Pflanzerde zu verzichten. Fast jede im Baumarkt erhältliche Pflanzerde enthält auch Torf. Ganz wenige nur sind extra deklariert und besitzen als Trägermaterial Rindenhumusstoffe. Im Bioladen gibt es saisonal tatsächlich auch Blumenerde – ohne Torf. Ganz prima ist natürlich selbst erstellte Komposterde. Für die Baumpflanzung kommt auch ein spezielles Baumsubstrat in Frage, das mit möglichst viel porenhalteigen Stoffen angereichert ist, die Luft enthalten. Eine gute Durchlüftung und ausreichende Feuchtigkeit garantieren gutes Anwachsen.

Wasser

Beim Pflanzen wird reichlich angewässert. Danach ist das regelmäßige Wässern im ersten Standjahr, bis der Baum ausreichende Haarwurzeln zur Selbstversorgung entwickelt hat, auch sehr wichtig. Dann allerdings sollte nur noch in Hitzeperioden gewässert werden. Dies ist, je nach Standort genau zu beobachten und kann hier nicht als pauschale Gebrauchsanleitung ausgegeben werden – wässern je nach Witterung.

Düngen

Düngen ist zunächst zweitrangig, und sollte generell lieber über organische Dünger (z.B. Oscorna Animalin) verlaufen, als mit rein mineralischen Düngern. Mineralische Dünger (z.B. das klassische ‚Blaukorn’) können, falsch und überambitioniert angewendet, zu Verbrennungen führen.

Schnitt

Beim Pflanzen wird der Baum am besten vom Fachmann, dem Baumschuler oder Garten- und Landschaftsbauer zurück geschnitten.
Dieser Rückschnitt ist für den neuen Baumbesitzer oft eine herbe Enttäuschung. Man hat sich ein herrliches Exemplar mit schöner Krone ausgesucht – und dann fallen zwei Drittel davon der Schere zum Opfer. Dies muß aber sein. Beim Verpflanzen wird auch ein Grossteil der wasserliefernden Haarwurzeln durchtrennt. Das bedeutet, dass der Baum nur noch einen Bruchteil des Wassers aufnehmen kann, welches er im vollen Besitz seiner Haarwurzeln aufzunehmen in der Lage war. Nun verdunstet der Baum aber über die Krone nach wie vor zu 100% – und müsste zwangsläufig vertrocknen, auch wenn ausreichend gewässert wird.
Durch den Kronenrückschnitt wird das Verhältnis von Wurzeleinbuße der Verdunstung angeglichen. Und beide, Wurzeln und Krone werden sich umso vitaler neu entwickeln.
Weiterhin sollte am Amberbaum allerdings nicht allzu viel geschnitten werden.

DIPL. ING. KERSTIN VON KLEIN
Quellen u.a. Hans-Dieter Warda „ Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze“ Bad Zwischenhahn

13

JEAN JAQUES ROSSEAU
soll am 20. Mai 1778, aus Paris kommend, im Park von Ermenonville ausgerufen haben : „Es ist so lange her, dass ich einen Baum sehen konnte, der nicht bedeckt war von Staub und Ruß. Diese Bäume hier sind so frisch. Lasst mich zu ihnen hin, so nahe ich kann; ich möchte nicht einen einzigen entbehren.“ Dann zog er sich zurück hinter die grünen Wände aus traumdichtem Grün.

14

Vernissage

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Es gibt ausreichend Gründe, sich mit Bäumen zu beschäftigen. Und das nicht erst seit Kyrill und dem anschließenden Baumfällwahn, dem manche Kommune verfallen zu sein scheint. Wir wissen von der Notwendigkeit des Blattwerkes für den Sauerstoffhaushalt der Atmosphäre, wir wissen von der Notwendigkeit des Wurzelwerkes für oder besser gegen die Erosion des Bodens und wir wissen von den Nutzen des Holzes als Bau- bzw. Heizmaterial, um nur einige wenige Aspekte zu benennen. Wir wissen auch von der Bedeutung des Baumes in Literatur, Musik, Religion und Kunst, wo er in der Einzahl, oder in der Mehrzahl und dann als Wald bezeichnet, seit eh und je Thema ist. Vom „Baum der Erkenntnis“ über die „Judenbuche“ und den „Erlkönig“ bis hin zu Alexandras unvergessenem schmalzigen „Mein Freund der Baum“ reicht das Spektrum künstlerischer Auseinandersetzungen, wobei das Thema des „Waldes“ vornehmlich in der Kunst der Romantik von Bedeutung ist. Als Orte unheimlicher Verzauberung, der Verwünschung und Verbannung, wo man in Not, Verzweiflung Erlösung findet, bietet der Wald in der romantischen Fantasie verirrten Helden, Kobolden, Hexen und anderen seltsamen Geschöpfen eine geeignete Plattform. Hier können sie sich tummeln und die Bäume beseelen, so wie es bereits früher im germanischen Kulturkreis die
Nymphen, Elfen, Zwerge und Geister aller Art getan haben. Nicht von ungefähr klingt das Wort Wald beinah wie das Wort wild, und von da ist es nicht weit zur Wildnis und dem unbebauten Land. Wälder sind unbebautes, nicht besiedeltes Land.

DR. CHRISTIAN KRAUSCH
Ausstellung „Bäume“/ BIS Zentrum / Mönchengladbach.

15

Das keltische Baum Horoskop und sonstiges

Zur Horoskop-Einteilung wurde bei allen Völkern und Kulturen naheliegendes benutzt; in aller Regel Tiere – vom Widder bis Fisch im Abendland, vom Affen bis zum Pferd in China und vom Puma bis zum Frosch bei den Indianern. Das Baum- Horoskop zeichnet menschliche Eigenschaften in ihrer Zuordnung zu unseren Bäumen als faszinierende Alternative zu den uns vertrauten Tierkreiszeichen. Diese Umsetzung kannten bereits die Druiden im alten gallischen Frankreich, denen, wie uns heute erneut, die Bäume näher waren als die Sterne. Dass sie Bäume verehrten, ist bekannt, dass darin ihre Gottheiten „wohnten“, auch. Sie hatten ein von 21 Bäumen regiertes „Horoskop“:

Der Apfelbaum – die Liebe
Die Tanne – das Geheimnisvolle
Die Zypresse – die Treue
Die Pappel – die Ungewissheit
Der Zürgelbaum – die Zuversicht
Die Kiefer – wählerisches Wesen
Die Weide – die Melancholie
Die Linde – der Zweifel
Die Eiche – robuste Natur
Die Haselnuss – das Außergewöhnliche
Die Eberesche – das Feingefühl
Der Ahorn – die Eigenwilligkeit
Der Nussbaum – die Leidenschaft
Die Pappel – die Ungewissheit
Die Kastanie – die Redlichkeit
Die Esche – der Ehrgeiz
Die Hainbuche – der gute Geschmack
Der Feigenbaum – die Empfindsamkeit
Die Birke – das Schöpferische
Der Ölbaum – die Weisheit
Die Esche – der Ehrgeiz

Vom Wesen der Bäume und das „Keltische Baum-Horoskop“
„Gott pflanzte einen Garten in Eden, im Osten, und setzte dahinein den Menschen, den er gebildet hatte. Und Gott der Herr ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume hervor wachsen, lieblich anzusehen und gut zu essen, den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ so berichtet die Bibel.
Der Garten Eden war als weniger ein Garten in unserem heutigen Sinn als vielmehr ein Hain – ein heiliger Hain, in dem Gott wandelt. Und die Bäume des heiligen Haines waren „gut zu essen“.
Das zeigt zweierlei: Bereits die frühesten Menschen verehrten Gott in einem Hain – diesen Ort des Gottesdienstes gibt es in vielen alten Kulturen; zweitens nutzten die Menschen früher von Bäumen viel mehr zur Nahrung als wir heute, die wir eigentlich nur noch die Baumfrucht als Obst oder Nuß verzehren. Früher wurden viele Baumteile gegessen – zwar manche nur in Hungerzeiten, wie Baumrinde und Eicheln – ab andere, besonders die Blätter, gehörten zur üblichen Nahrung der Menschen und auch der Haustiere. Wenn sich das Wildgemüse wie Löwenzahn, Brennessel und Wegerich noch nicht hervortraut, dann haben manche Bäume schon winzig grüne Blätter; alle haben bereits Knospen, denn die sind ja schon im Herbst vorgebildet und überdauern unter ihrer Harz-Schutzschicht den Winter. Diese Knospen samt Harz waren nach dem Winter früheste frische Nahrung und gleichzeitig Medizin, denn sie bieten alle Baumschätze in konzentrierter Form. Selbstverständlich nährten sich die Menschen früher vom Baum, denn in vorgeschichtlicher Zeit war der größte Teil der Erde mit Urwald bedeckt. Aber nicht nur Nahrung lieferte er, sondern viel mehr: Heilmittel und Kosmetika, Gerb- und Farbstoffe, Kleidung aus Bast und Wurzelwerk, Holzschuhe, Matten und Teppiche, Matratzen aus Laub, Wurzelbürsten und Besen, Musikinstrumente, Hausgeräte wie Holzgeschirr und –besteck, Bau- und Möbelholz wie auch heute noch. Dazu kommt seine unschätzbare Eigenschaft der Sauerstoffherstellung.
Ja, der Mensch kann ganz allein vom Baum leben!
Daher verwundert es auch nicht, dass der Baum einen so hohen Stellenwert in allen Mythen einnimmt; so bei Afrikanern und Indianern, Japanern und Indern, Griechen und Römern, Kelten und Germanen; Der Baum wird als Wohnstatt der Götter angesehen, ja, sogar als Gottes-Verkörperung. Viele Mythen berichten vom „Weltenbaum“, manche auch von der Erschaffung der Menschen aus Bäumen, z. B. die germanische: Der Göttervater Odin fand zwei angeschwemmte Bäume und schuf daraus das erste Menschenpaar; den Mann aus einer Esche und die Frau aus einer Ulme – oder, nach anderer Überlieferung, aus einer Erle.

Sowohl im Weltenbaum wie auch im Menschenbaum wird die Dreigliederung des Baumes deutlich:
Zuunterst ist der Wurzelbereich, Hel und das Schicksal, Bein und Bauchbereich des Menschen, das Grobstoffliche, aber auch das Unbewusste. Sind Grund und Wurzel fest, kann sich der Baum getrost entwickeln.
Das mittlere Wesensglied ist der Stamm, tragende Säule, Leib mit Rückgrat, das Diesseits, die Mitte und das Feinstoffliche, die Verbindung zwischen Unterbewusstem und Überbewusstem.
Das höhere Wesensglied ist die Krone, der Kopf, das Geistige und die Verbindung zu höheren Welten.
Entsprechend diesen drei Wesensgliedern kann man auch den Nutzen, den der Mensch vom Baum hat, benennen:
Die grobstofflichen Teile sind die materiellen Stoffe wie Holz und alles, was daraus gemacht wird, sowie Bast, Ruten zum Flechten, alle Nahrungsmittel und viele der Heilmittel: aus dem feinstofflichen Bereich nutzt man z. B. Duftstoffe, Blütenessenzen, homöopathische Mittel und durch „Anstellen“ die gesamte Baumkraft; und dann ist der Baum für uns ein Mittler zu höheren geistigen Welten, die sich in ihm oder bei ihm manifestieren.
Aber nicht nur die heilige Zahl Drei sondern auch die heilige Zahl Sieben steht mit dem Baum in Verbindung, denn seine Struktur ist siebenfach: Wurzeln, Finde und Holzstamm, Geäst, Blätter, Blüten und Früchte. Aus dreimal sieben, also aus einundzwanzig Bäumen, setzt sich unser Horoskop zusammen. Dieses Baumhoroskop stammt aus Polen und ist keltischen Ursprungs; es wurde mündlich überliefert und dabei im Laufe der Zeit natürlich verändert.
Von 500 bis 200 vor Christi war in Mitteleuropa die Hochblüte der keltischen Kultur. Von hier aus breiteten sich die Kelten auch die Gallier genannt- nach Süden, Westen und Osten aus. In Nordosteuropa saßen die Germanen, dahinter die Slawen. Aber die Kelten kamen bis nach Schlesien, nach Böhmen und Mähren, bis in den Südwesten Polens und auf die britischen Inseln. In Irland und Schottland blieben sie noch längere zeit unbesiegt; von dort stammen auch die meisten keltischen Überlieferungen, und dort wird teilweise auch heute noch keltisch gesprochen.
Zwar waren die einzelnen Stämme nicht zu einem Reich zusammengeschlossen, aber es gab eine einheitliche Kultur mit gemeinsamer Sprache; eine keltische Schrift jedoch existierte nicht. Es gibt einige wenige keltische Dokumente in griechischer Schrift; das meiste Wissen über die Kelten – und das ist insgesamt nicht viel- stammt jedoch von griechischen und römischen Schriftstellern sowie aus Funden, Ausgrabungen und mündlichen Überlieferungen.
Die Kelten waren ein wildes, kampflustiges Volk. Sie waren sehr religiös: Vom Gottesdienst verbannt zu werden, galt als härteste Strafe. Ihren Göttern opferten die Kelten viel und oft. So wurden Wagenladungen von Waffen in Quellen und Seen als Opfergabe versenkt oder auch Tier- und Menschenopfer in blutigen Riten dargebracht.
Was waren das für Götter? Viel ist nicht von ihnen bekannt. Neben vielen männliche Gottheiten, die z. B. mit Kampf und Handwerk zusammenhingen, wird oft auch eine große weibliche Gottheit erwähnt, die Erd- oder Himmelsmutter, die in drei Gestalten auftrat: Als Jungfrau, als Mutter, als Tod. Sie wurde bevorzugt in Quellen verehrt. Da die Frauen so besonders mit der Natur verbunden sind, waren sie geachtet und bekleideten hohe Stellungen als Priesterin, Seherin und Königin.

Die keltischen Priester hießen „Druiden“ (Eichenkundige) bedeutet. Sie bildeten einen stammesübergreifenden Stand. Diese Gelehrten waren Magier, Heilkundige, Erzieher, Richter und Dichter-Sänger in einem. Ihre Wissenschaft gaben sie mündlich weiter. Druidische Weisheit wurde im Einklang mit der Natur erworben, die sich bevorzugt im Wald darbot – denn Europa war zu mehr als Dreiviertel von Urwald bedeckt. In und außer diesem Urwald wurden besondere Einzelbäume gepflegt und angepflanzt und heilige Haine angelegt. Jeder Baum, wie auch jede Quelle und jeder Berg, hatte eine Seele und war damit gottähnlich. Hier, zwischen Bäumen, verbrachten die Druiden einen Großteil ihrer Zeit beim Gottesdienst, in der Meditation, beim Kräutersammeln. Eines ihrer magischen Riten ist so überliefert: Weißgewandet erstiegen die Druiden besondere Eichbäume und schnitten mit goldenen Sicheln Misteln, die in einem weißen Tuch aufgefangen, zerteilt und als Heil- und Schutzmittel verteilt wurden. Als um die Zeitenwende in Mitteleuropa die keltische allmählich durch die germanische Kultur abgelöst wurde, gab es keinen großen Bruch in den religiösen Vorstellungen und Riten. Beide Völker waren indo-europäisch und ähnelten sich mit ihrem hohen Wuchs und den rotblonden Haaren auch äußerlich. Die Naturverehrung, und mit ihr der Quellen- und Baumkult, blieb – und der Baumfrevler wurde mit dem Tode bestraft.
Erst mit der Christianisierung wurde die Natur entseelt. In der Romantik erfolgte eine Rückbesinnung auf dieses alte Kulturgut: Dichter und Maler beschäftigten sich damit, wie die Märchen der Gebrüder Grimm belegen. Es gibt ihn ja – noch – den Wald des Märchens: An den Rändern licht und kultiviert mit dem Hauptnutzbaum, der Eiche, zum Innern wild und bedrohlich. Er wird bewohnt und durchzogen von Köhlern, Jägern, Kräuterweiblein, Räubern, Friedlosen und Ausgestoßenen.
Der Weihnachtsbaum wurde Teil der „deutschen Weihnacht“. Neben ihm stehen andere Bäume, die zu besonderen Gelegenheiten geopfert werden: Der Richtbaum krönt das neue Haus, der Maibaum zur Ehre des Frühlings, mit einem Busch zeigt die Besenwirtschaft neuen Wein und frischgebrautes Bier an. Aber all diese abgeschlagenen Bäume sind keine Sühneopfer mehr wie in heidnischen Zeiten.
Im Baumhoroskop zeigt sich eine Rückbesinnung auf überliefertes Volksgut.
Einundzwanzig Bäume sind vertreten: Vier Hauptbäume zu den Tag- und Nachtgleichen und den Sonnenwenden und siebzehn weitere: Diese verteilen sich so auf das Jahr, dass jeder Baum einmal pro Jahreshälfte vertreten ist – lediglich die Pappel bildet die Ausnahme. Hier zeigt sich eine typische keltische Eigenart, nämlich das Jahr in zwei gleichberechtigte Hälften zu teilen, die vom Auf und Ab, von dem sich im Wechsel Erneuernden künden. Der keltische Kalender war eine komplizierte Kombination von Sonnen- und Mondjahr mit verschiedenen Schalttagen, die Ausrichtung des Horoskops nur nach dem Sonnenjahr ist also später erfolgt.
Die Aufnahme der im keltischen Ursprungsland nicht vorkommenden Bäume wie Zypresse, Zürgel-, Feigen- und Ölbaum erklärt sich durch die Ausweitung der keltischen Kultur in den Mittelmeer-Raum. Selbstverständlich beginnt das Horoskop mit der Eiche. Das Wesen des Eichbaums ist kraftvoll und aufrecht; wie er. So ist auch der Mensch, der unter seinem Zeichen geboren ist. Aber auch alle anderen Bäume haben ihr besonderes Wesen, Ihre Eigenart. Manche sind zur Zierde da, manche zum Dienst; manche sind Einzelwesen, manche gedeihen besser in Gruppen; der eine ist zart wie eine Birke, der andere mächtig wie die Kastanie.
Drei Baumgruppen kann man unterscheiden:
Zur ersten Gruppe gehören die Realisten; sie haben eine gute Beobachtungsgabe und Organisationstalent.
Das sind Eiche, Buche, Ulme, Linde, Nussbaum, Kastanie und Feigenbaum. Die zweite Gruppe verkörpert den Intellekt, die Fähigkeit, zu analysieren und logische Schlüsse zu ziehen. Das sind: Öl-, Apfel-, Zürgelbaum, Tanne, Zypresse, Kiefer und Ahorn. Zur dritten Gruppe gehören solche Charaktere, die das intuitive Wissen, die Phantasie und die Fähigkeit zur Synthese besitzen. Es sind: Birke, Pappel, Trauerweide, Haselnuss, Eberesche und Esche und Hainbuche. So findet jeder mit dem seinen Geburtstag zugeordneten Baum seine Charakterlage dargestellt.
Während neuerwecktes Brauchtum sich mit dem Wald befasst und die Dichter an seinem Mythos weiterweben, ist der reale Wald allmählich zu einem reinen Nutzwald geworden, dessen Wert in Kubikmetern Holz benannt wird.

Jede dieser Einstellungen für sich – hier Mythos und romantische Verklärung, dort materieller Nutzen – ist jedoch Stückwerk; erst eine ganzheitliche Sicht erschließt das ganze Wesen des Baumes. Und eine Gesamtsicht ist heute dringend notwendig. Der Baum kann ohne Menschen leben, aber der Mensch nicht ohne Baum! Dankbarkeit ist deshalb das mindeste, was wir den Bäumen schuldig sind. Jede positive Beschäftigung mit den Bäumen – wie überhaupt mit allen Lebewesen – stärkt diese.

Hainbuche
Dein Holz – so hart wie Eisen –
Brachte so manche Mühle in Gang.

Doch mehr noch liebe ich
Die schattenspendenden Laubengänge,
gestutzt in einer verspielten Laune –
als Geschenk für zärtliche Spaziergänger.
(Aleke Thuja)

Lichtgrün verschwiegene Wildnis all um und der Hainbuchen Scharen verträumt und stumm.
(Joseph Viktor von Scheffel)

Die Hainbuche gehört zu den geheimen magischen Hölzern der großen weisen Frau. Deren Vertreterinnen waren in vorchristlicher Zeit die Kräuterweiblein und Nothelferinnen, die sich in der Volksmedizin auskannten und magische Gebräuche pflegten. Diese Frauen wurden im Mittelalter als Hexen verfolgt.

Die Hainbuche ist eine der Pflanzen in der „Blüten.Therapie“ des englischen Arztes
(Dr. Edward Bach)

Grünt die Esche vor der Eiche,
bringt der Sommer große Bleiche.
Grünt die Eiche vor der Esche,
bringt der Sommer große Wäsche.
(Alte Bauernregel)

Die Esche Yggdrasil duldet Unbill
mehr als Menschen wissen
(Grimmismál)

Drei Wurzeln strecken sich nach drei Seiten
Unter der Esche Yggdrasil.
Hel wohnt unter einer, unter der andern Hrimthursen,
Aber unter der dritten die Menschen.
(Grimmismál)

Yggdrasil, ist der Schicksalsbaum der Welt (isländisch, germanisch). Als herrlich stattlicher Baum überragt ihre Krone selbst Asgard, den Wohnsitz der Götter, ihr Stamm ist die himmeltragende Säule und ihre Wurzeln reichen bis in die Unterwelt. Mit ihr kann man den ausbleibenden Regen herbeizaubern, sie schützt auch vorm Ertrinken. In Island werden aus ihr Ruder und andere Bootsteile gemacht, auch der Stiel des Hexenbesens ist aus Esche. In England wird sie als der „Hölzer Königin“ besungen. Aus dem besonders harten und dennoch elastischen Eschenholz, werden Armbruste, Lanzen, Bögen und besonders Speere gemacht. Achilles Speer, mit dem er Hektor tötete, war ein Speer aus einem heiligen Eschenhain, vom Zentauren Chiron mit einer ehernen Spitze gefertigt. Heute ist ihr Holz als Möbel-, Wagner- Werkzeugholz gebräuchlich, auch für Sportgeräte.Sie kann bis zu vierzig Meter hoch und älter als zweihundert Jahre werden

Die Schar der zaghaften Kastanien wird wankend und schwarz wie Pech
(Talesiesin, der Barde)

Schwarzschattende Kastanie
Mein windegeregtes Sommerzelt…
(Conrad Ferdinand Meyer)

Der Sonnenkönig pflanzte die stattliche mächtige Rosskastanie als prunkende Zier seiner Parks und Alleen, und die Duodezfürsten Deutschlands machten es ihm nach.

Hab ich kein Tabak auch
Nussbaum gibt guten Rauch
(J.P. Hebel)

Unter Nussbäumen und Edelleuten kommt kein Kraut auf.
(Englisches Sprichwort)

Ahornlaub – Sterne, sterbend auf nassem Asphalt – gestern noch Tanzend…
(Margot Gabriel)

Eberesche, Wonne der Augen, nämlich Luisiu, Flamme.
(Moran Mac Main)

Haselnussgesträuch, im Herbst durchwogt von Nüssesuchern, grünt in einer Kesselschlucht der grauen Düne.
(Alfred Tennyson)

Früher wurden die Haselruten zum Dachdecken verwendet, heute nur noch selten zum Flechten.

Die Haselrute ist das Instrument der Rutengänger, die damit nach Erz suchen,
der Wunschbaum des deutschen Märchens, siehe Aschenputtel.

Drei Laub auf einer Linden blühen also wohl, ja wohl.
(Alte Volksballade)

Als germanischer Friedensbaum war die Linde der Göttin Freya geweiht, mütterliche Beschützerin des Lebens und der Liebe. Als Thingbaum schützte sie vor Unrecht, und diente als Gerichts- und Richtbaum; hier wurde durch Schiedsspruch Streit zum Frieden ge-linde-rt. Unter der Dorflinde saßen die Menschen friedlich, sie war der öffentliche Mittelpunkt. Mehr als 500 Ortsnamen stehen mit der Linde in Verbindung.

Die Trauerweide umhüllt mich dicht,
Rings fließt ihr Haar aufs Gelände,
Verstrickt mir die Füße mit Kettengewicht
Und bindet mir Arme und Hände…
(Gottfried Keller)

Verbrenne nicht die Weide, einen den Dichtern heiligen Baum.
(Keltisches Sprichwort)

Die Weide, ein Hexenbaum mit zwei Gesichtern.
(Keltisches Sprichwort)

Weide, silbern Angesicht,
weil ich dich von weitem sehe
leidet´s mich und hält mich nicht
bis ich grüßend vor dir stehe
(Rudolf Alexander Schröder)

Die Weiden; verwachsene Weiber,
gebeugt mit zottigem Kopf,
zerlumpt sind ihre Röcke,
die Läuse nisten in ihrem Zopf…
(Günther Eich)

Die Kiefer,
den Winden trotzend,
hält sie ihre Zweige
entgegen,
bewegt im Atem der Winde
ihre Wipfel wie Arme,
die dir zuwinken.
(Aleke Thuja)

Die Kiefer gehört, kunstvoll beschnitten, unbedingt in den japanischen Hausgarten. Im traditionellen japanischen NO-Theater ist sie die einzige Kulisse. Da sie dort als Sitz der Götter weilt, werden diese damit aufgefordert, sich niederzulassen und dem Schauspiel beizuwohnen.

Zürgelbaum o Zürgelbaum, du hast schon viele gespeiset.
(Aus einem alten Volkslied)

Der lateinische Namen Celtis weist deutlich auf seine Herkunft hin und war auch den gallischen Druiden bekannt.

In silbern Kettenhemd blinkend
Steht Ritter Pappel frank und frei,
nicht mut-, doch hoffnungslos winkend
denn Ritterzeit ist längst vorbei,
Tanderei
(Autor unbekannt)

Ich war, wo die Pappel sich erhebt aus dem schönen glänzenden Grund.
(Emily Bronte)

Napoleon pflanzte die Pyramidenpappel aus der Po-Ebene als wachhabende Soldaten an seine Heerstraßen und Alleen.

Die Cypresse ist der Freiheit Baum, nie zur Erde die Zweige senkt sie.
(Friedrich Bodenstedt)

Plato sah in der immergrünen Cypresse ein Symbol der Seele und ihrer Unsterblichkeit, Horaz den Ausdruck der Trauer. Bei den Römern war sie der heilige Baum Plutos, des Totengottes. Van Gogh hat ihn als feurig-wilde Lebensflamme gemalt.

Sicher wie ein Haus, groß wie ein Baum, die gepflegten Wurzelfinger der Ulme, unter ihren Schuhn starkes Erdgebein.
(Maurice Lindsay)

Ulmen sind von einer Ulmenkrankheit bedroht. Bei ihr wirken Ulmensplintkäfer, und ein von ihm übertragener Schlauchpilz zusammen: Der Käfer ernährt sich von ihren Blättern, seine Larven vom Kabium; der von ihm übertragene Pilz wuchert in die Leitungsbahnen des Baumes und verstopft sie. Der Gesamtbestand ist gefährdet, ja, es wird ihr Aussterben befürchtet, da kein geeignetes Gegenmittel bekannt ist.

Die Ulme ist der Baum des Merkur, des Götterboten, für den Menschen der große Mittler zu geistigen Welten.

Schatzhauser im grünen Tannenwald,
bist schon hundert Jahre alt,
Dein ist all Land wo Tannen stehen,
lässt dich nur Sonntagskindern sehen.
(Aus dem Märchen „Das Kalte Herz“ von Wilhelm Hauff)

O Tannenbaum, o Tannenbaum! Du bist ein edles Reis. Du grünest in dem Winter, als wie zur Sommerzeit.
(Aus „Des Knaben Wunderhorn“)

Die Apfelbäume winken blütenschwer,
und Mädchengesang tönt von den Wiesen her.
(Otto Erich Hartleben)

Dionysius, Gott des Weines, war auch der Schöpfer des Apfelbaumes. Er schenkte ihn Aphrodite und dadurch wurde der Apfel ein erotisches Bild.
Eris, Göttin der Zwietracht, warf bei einem Götterfest, zu dem sie nicht geladen war, einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „der schönsten unter den Göttern“, woraus sich bekanntlich der trojanische Krieg entwickelte. So wurde der Apfel zum Zankapfel.

Zwischen den Buchen
siehst du hinein
spinnt dünnes Licht.
(Werner Helwig)

Die Buche ist der wichtigste Laubbaum Mitteleuropas. Früher gab es hier riesige Buchenwälder, heute besteht noch etwa ein Fünftel des deutschen Waldes aus Buchen, z.T. in geschlossenem Bestand.

In die Lande des Ölbaum lasst uns ziehn,
wo die Traube reift, wo die Mandel blüht,
wo des Mädchens schwarzbraunes Auge glüht,
wo nimmer die Schneeflocke fällt.
(Orgetorix)

Bereits die antiken Völker verehrten den Ölbaum, er wurde oft besungen. Die Taube, die Noah verkündete, dass die Erde wieder bewohnbar ist, trug als Zeichen ein frisches Ölbaumblatt im Schnabel. Der Ölbaum ist Symbol des Friedens, im Gelobten Land Sinnbild für Wohlstand und Glück. Athene, welcher der Ölbaum geweiht war, salbte ihre irdischen Lieblinge mit Olivenöl.

Der Name der Birke kommt von dem althochdeutschen Wort „birha“ und bedeutet hell, glänzend.

Die Birke früchtelos,
trägt eben wohl Zweige ohne Samen.
Ist in Ästen schön;
doch in der Spitze rauscht sie,
lieblich bewachsen mit Blättern,
von der Luft bewegt.
(Aus einem alten Runenlied)

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“Mein Freund der Baum”

war ein Riesenhit der Sängerin Alexandra (eigentlich Doris Nefedov geb. Treitz, geboren am 19.05.1942, bei einem Autounfall gestorben am 31.07.1969). Obgleich ich (Jahrgang 1940) in meiner Jugend wenig Zeit und Gelegenheit hatte, Schlager zu hören, ist mir das Lied doch noch deutlich in Erinnerung. Manche bezeichnen es als eines der ersten Öko-Lieder. Nach meiner Information hat Alexandra es selbst getextet und vertont, arrangiert wurde es von Boris Jojic.

GERDA SCHNELL

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Mein Freund der Baum

Ich wollt dich längst schon wieder sehn,
mein alter Freund aus Kindertagen,
ich hatte manches dir zu sagen,
und wusste, du wirst mich verstehen.
Als kleines Mädchen kam ich schon
zu dir mit all den Kindersorgen.
Ich fühlte mich bei dir geborgen,
und aller Kummer flog davon.
Hab ich in deinem Arm geweint,
strichst du mit deinen grünen Blättern
mir übers Haar, mein alter Freund.

Mein Freund der Baum ist tot,
er fiel im frühen Morgenrot.

Du fielst heut früh, ich kam zu spät,
du wirst dich nie im Wind mehr wiegen,
du musst gefällt am Wege liegen,
und mancher, der vorüber geht,
der achtet nicht den Rest von Leben
und reißt an Deinen grünen Zweigen,
die sterbend sich zur Erde neigen.
Wer wird mir nun die Ruhe geben,
die ich in Deinem Schatten fand?
Mein bester Freund ist mir verloren,
der mit der Kindheit mich verband.

Bald wächst ein Haus aus Glas und Stein,
dort wo man ihn hat abgeschlagen,
bald werden graue Mauern ragen,
dort wo er liegt im Sonnenschein.
Vielleicht wird es ein Wunder geben,
ich werde heimlich darauf warten,
vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten,
und er erwacht zu neuem Leben.
Doch ist er dann noch schwach und klein,
und wenn auch viele Jahre gehen,
er wird nie mehr derselbe sein.

ALEXANDRA
geb. Doris Nefedov

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Predigt

Gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf Gott verlässt und dessen Zuversicht Gott ist. Der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. JEREMIA 17,8
„Bäume sind Heiligtümer“, sagt Hermann Hesse. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, erfährt die Wahrheit. „Sie verkünden das Urgesetz des Lebens“. Lassen Sie sich einladen mit diesem Urgesetz des Lebens vertraut zu werden. Der Mensch ist, wie ein Baum, die Wurzel. Der Baum wurzelt tief im Dunkeln der Erde. Sein Wurzelwerk entspricht der Entfaltung seiner Krone. Alle Kraft liegt in den Wurzeln. Sie versorgen ihn mit Wasser und lebenswichtigen Mineralien. Sie pumpen jährlich tausende Liter Nährstoffe in Stamm und Zweige. Manche Bäume graben ihre Wurzeln bis zu sieben Meter tief in die Erde, um die unterirdischen Wasseradern zu erreichen und in Zeiten der Dürre zu überleben. Was wir nicht an ihm sehen ist sein Geheimnis. Auch beim Menschen kommt es auf die Wurzeln an. Wo können wir uns verorten, finden wir gute Lebensbedingungen? Wo sind die Quellen aus denen wir leben? Geborgenheit, Gemeinschaft, Verständnis, eine Aufgabe, aber auch einen sicheren Raum und Rückzugsmöglichkeiten brauchen wir, um uns verorten zu können. Wir müssen unsere Wurzeln sehr tief treiben, um in Dürrezeiten nicht zu verdursten. Den Durst nach Zärtlichkeit und Wärme, die Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe möchten wir stillen und dabei unseren Stand nicht verlieren. Wir machen uns auf die Suche nach dem, was uns neu belebt. Ein gutes Buch, Musik, ein Spaziergang, ein weiterführendes Gespräch, die Erfahrung einer verlässlichen Freundschaft. Stille, Meditation oder das Vertrauen, dass Gottes Hand uns hält. Jeder braucht einen Brunnen, an dem er seine leere Lebensschale füllen kann.
Der Stamm.
Oft ist er breit und fest. Unter seiner Schutzschicht, der Rinde, pulsiert das Leben. Er lässt uns danach suchen, wo wir standfest im Leben sind und uns fragen, ob man sich auch an uns anlehnen kann. Der Stamm dokumentiert das Wachsen und Werden um eine Mitte, aus der heraus der Baum Jahr für Jahr wächst. Erst wenn er gefällt ist, werden seine Lebensringe sichtbar. Kräftige Ringe zeugen von guten Jahren, dünne Ringe beschreiben dürre Zeiten, in denen der Regen fehlte. Jahresringe sind erlebte, erlittene Zeit. Auch die Lebensringe des Menschen sind kunstvolle Graphiken seiner Biographie. Das Leben hinterlässt seine Spuren, am Ende ist jede Lebensgeschichte so einmalig.

Hermann Hesse beschreibt seine Lebenseinsicht, inspiriert von Bäumen: „Wenn ein Baum gefällt ist, ist seine ganze Geschichte zu lesen: in den Jahresringen und Verwachsungen steht aller Kampf, alles Leid, alle Krankheit, alles Glück und Gedeihen treu geschrieben, schmale Jahre und üppige Jahre, überstandene Angriffe, überdauerte Stürme. Und jeder Bauernjunge weiß, dass das härteste und edelste Holz die engsten Ringe hat.“
Die Krone, sie trägt die Früchte. Die Blätter reinigen die Luft, sie produzieren fast fünf Tonnen Sauerstoff im Jahr. Die weit ausladende Baumkrone verdunstet täglich bis zu 400 Liter Feuchtigkeit, und empfängt viele hundert Vögel. Aber der Baum lehrt uns auch demütig zu sein. Er hat oft erfahren, dass im Herbst seine Äste leer in die Luft ragen. Der Sturm hat ihm Äste gebrochen und Wunden geschlagen, der Frost seine Blüten vernichtet, Insekten haben seine Früchte zerstochen, die Sonne hat aus dem Boden die letzte Feuchtigkeit gezogen. Der Baum lehrt uns, Misserfolge und leidvolle Erfahrungen als Teil des Lebens zu begreifen und dass zum Leben Wachstum, Reife und Loslassen gehören. Dass Neues nur dort wächst, wo wir Altes loslassen. Er inspiriert uns nach dem fragen, wonach wir streben, wohin wir uns langsam vortasten, wovon wir träumen und nach Entfaltungsmöglichkeiten suchen. Er weist uns darauf hin altersgemäß zu leben und unsere Kräfte besonnen einzusetzen, geduldig zu sein. Besonders im Herbst erinnert mich der Baum an die Einmaligkeit, an das Wunder Leben. Jedes Herbstblatt ist einzigartig, ein Original. Jeder Mensch ist einzigartig, sein Name ist in Gottes Hand verzeichnet, so beschreibt es die Bibel. Unsere Identität zu entdecken und zu bewahren unsere Eigenheiten, unser Temperament, unsere Ecken und Kannten, das lehrt uns der Baum.

Der Himmel:
Im Baum ist ein Kern, ein Funke verborgen, der Leben vom ewigen Leben ist. Seinen einmaligen Entwurf soll er zur Entfaltung bringen. Das Wachstum in die Weite des Himmels hinein scheint nie abgeschlossen zu sein. So auch der Mensch: Die Schwere der Erde durchbricht er und streckt sich nach dem Glanz des Himmels. Er besitzt große Fähigkeiten und versagt oft in den kleinsten Anforderungen des Lebens, er hat einen großen Geist, mit dem er die Welt verändern möchte und am Ende bleibt nichts von ihm übrig. Der Mensch ist wie ein Baum, der tief in der Erde verwurzelt ist aber mit seiner Krone den Himmel berührt.
„Du, Gott, hast mich gewoben im Mutterleib“ , heißt es in Psalm 139. Gott hat uns gebildet, war beteiligt an unserem Werden, an unserem Kern, er hat sein Bild in uns eingedrückt, ein Stück Himmel in jeden und jede von uns hineingelegt. Das verleiht uns unsere besondere Würde. Unabhängig von unseren Stärken und Schwächen, von Gesundheit und Krankheit, tragen wir dieses Stückchen Himmel in uns. Machen wir es uns bewusst, entdecken wir bei allem Bruchstückhaften Gottes Ebenbild im Menschen.

BIRGIT SCHNELLE
2006

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Dass man Menschen …

Dass man Menschen, die einen goldenen Ahorn im Herbst gesehen haben oder eine Birke im Rauhreif, vorrechnen muss, was Bäume als Staubfänger, Sauerstofflieferanten und Schallschlucker leisten, ist ein Thema für Psychiater und Anthropologen.

Wo sieht man heutzutage noch Bauernhöfe, die langen roten Ziegeldächer eingegrünt, in hohe Laubkronen geborgen. Oder in die Pracht blühender Apfelbäume eingehüllt. Dächer unter hohen Bäumen. Sinnbild von Schutz und Wärme. Vom Dorf bis zu Gehäuse einer alten Stadt. Behagliche Gemeinsamkeit. Gebaute und gepflanzte Nachbarschaft.

Früher erwartete man von Bäumen, dass sie in stolze Höhen wuchsen. Heute zahlt man jeden Preis für Krüppel- und Pinschergrün, geknickt, gebeugt, gekrümmt, gestaucht, kriechend, krauchend, starr, pflegeleicht und ohne Leben. Bäume wachsen nur noch auf Modellen. Rasant und schräg. Und malerisch

Es ist nicht nur der Saure Regen, der die Bäume sterben lässt. Ordnungsfanatismus und ökonomische Interessen räumen die Landschaft auch aus. Mit verbissener Zielstrebigkeit werden Bäume und Büsche gefällt, zersägt, zerschnitten und zerstückelt Die Leichenteile liegen – pingelig geordnet nach ehemaligem Stamm, nach Ästen, Zweigen und Wurzeln, am nunmehr leeren Hang. Doch nicht einmal der Holzwert zählt. Bäume und Pflanzen werden zu Abfall. Es herrscht Ordnung im Land.

Im Zeitalter der hohen PS-Zahlen sind Alleebäume eher lästig. Sogar lebensgefährlich. Wenn Alleebäume nicht beseitigt werden, bleibt der Mensch dem Umweltschutz untergeordnet. Sagt der ADAC.

Die alte Welt voller Zeichen. Zeichen der Erinnerung, Zeichen des Dankes, Zeichen der Sühne, Zeichen der Bitten, Zeichen des Glaubens , Zeichen der Mahnung, Zeichen über den Tag hinaus. Diese Zeichen waren Blick und Ziel in einer Landschaft. Halt und Höhepunkt. An solchen Orten hielt man ein. Ein Zeichen setzen. Einen Bildstock, eine kleine Kapelle. Und zwei große Bäume. Manche dieser Baummale und Wegkapellen reichen in die Frühgeschichte zurück. Stehen an Wegkreuzungen von Altstraßen. Bei ältesten Reihengräbern. Es ist immer noch eine Aura um solch einen Ort. Bäume pflanzen, die die Zeit überdauern und uns selbst. Das ist unzeitgemäß geworden. Die meisten dieser Zeichen wurden beseitigt, weil sie im Weg standen. Oder massakriert in namenlosem Missverständnis. Der Rest der alten Heiligtümer ist schäbig vom Asphalt umzingelt, mit Telefonzellen, Parkuhren und Abfallkübeln. Und gelben Plastik-Bänken. Und dem Verkehrsschild „Vorsicht ! Bäume !“

Fried-Höfe. Orte des Friedens. Die Gräber lagen im Gras, helle kleine Steine ohne Sockel, ohne goldene Schrift, freundliche Sommerblumen, Efeu, duftender Buchs, ein Rosenstrauch von Centifolien. Ein feiner, stiller Ort. Und an den Friedhofsmauern standen hohe Eichen oder Linden. Schutz und Ruhe für die Ewigkeit. Heutzutage regt sich dort kein Unkraut mehr.

Reihenweise fallen die alten Streuobstanlagen. Die langen Zeilen von Apfel-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen, mit den alten Bäumen geht auch eine große Zahl von alten Sorten unter, die oft seit Jahrhunderten in einer Landschaft zuhause waren. Denn mit der Flurbereinigung geht auch eine „Sortenbereinigung“ durch den alten Paradiesgarten. Die Bundessortenliste nennt noch 16 „anbauwürdige“ Apfelsorten. Die deutschen Bauern haben es nicht leicht mit ihrem Obst, das vielleicht kleiner ist, harmloser aussieht und später am Markt erscheint, weil unser Klima eben anders ist. Dabei hätten sie soviel zu bieten. So heißt das einzige Rezept der Ämter: Arbeitsvereinfachung. Und das heißt runter von dem alten Hochstamm. Auf Zwergbäume und Büsche. Die höchstens zehn bis 15 Jahre leben. Man wird nur eine Sorte pflanzen, die zur gleichen Zeit blüht, die man zur gleichen Zeit spritzt. Fließband-Bäume. Eine Norm in unserer Normlandschaft. Der Tod der alten Apfelbäume. Auch aus den Hausgärten und von den Dorfstrassen sind sie verschwunden. Dabei passten sie in jede Landschaft, zu jedem Haus, zu jeder Kirche. Aber wenn wir Bausparer geworden sind, dann pflanzen wir auf einmal Krüppelkoniferen.

Es ist ein Kahlschlag auch der Seele. Der Hass auf Bäume und der Hass auf Laub. Tödliches Gift zu spritzen, wenn sich Moos auf Plattenfugen zeigt. Dass jemand in Nachbarsgarten einsteigt, um einen Holunder-Busch auszurotten, weil die Vögel rote Flecken auf das Kunststeinpflaster kleckern. Dass Nachbarn wegen Bäumen prozessieren – Das alles sind schon mehr als seelische Dürrezeichen.

aus „GRÜN KAPUTT“
Raben Verlag, München 1983

20

November

Baumstämme und Äste im späten November, noch kein Schnee. Apfelbäume knotig in sich gewunden. Nadelbäume splittig gerade, dunkel und freigestellt gegen den Himmel. Geben ihnen eine tröstliche Struktur. Womöglich hat man ja beim Malen den Himmel als Abgrund unter sich.

PAUL CELAN

21

Zum Glück …

… Zum Glück dämmerte mir auch noch nicht, dass es Biologielehrer gibt, die von der Existenz von Douglasien „noch nie etwas gehört haben. Nein. Also DOUGLASIEN. Haha. Ha.“. Klar, dieser Lehrer kam auch nicht aus der Pfalz. Wo die gemeine Föhre neben der Douglasie zu bestaunen und bestimmen war. Die gemeine Kiefer. Natürlich habe ich das mit großen Augen (Oma sagte immer „Guckerchen“….) bewundert:

Abends in der letzten Sonne, wenn die oberen Stammabschnitte kupfrig aufleuchten. Und die kleinen Zapfen habe ich gesammelt. Im Winter, um sie auf die Heizung zu legen, zum Aufknacken, dann mit Goldlack bemalt. Wer hat das nicht? Profan. ABER wir haben in Werken auch Mobiles mit Kiefernzapfen gebastelt. Ja. Das geht. Man kann dann z.B kleine Strohblumen in die Zapfen kleben. Ja. Und das hat nichts mit Waldorff sondern ganz viel mit Pestalozzi und leider gar nichts mit Luise von Duesberg zu tun. Wie sollte aber dieser ignorante Lehrer, im Norden Deutschlands, zwischen Gerste, Weizen, Roggen und viel zu seltenem Hafer Nadelbäume kennen???? Der Depp. Hoffe, er liest dies hier zufällig. Hallo, Herr Wege! Erst nachschlagen, dann lehren.

Heute weiß ich, dass Opas Lieblingsweihnachtsbaum, also die Douglasie, die beim Zerreiben der Nadeln so irre nach Orangezitronigemnadelwald duftet und aufgrund der langen, dünnen, etwas fluffig um den Zweig stehenden Nadeln eine so unglaublich unscharfe Silhouette bildet, dass man denkt, es sei neblig, wenn man aus einiger Entfernung Douglasien anschaut, dass also diese Douglasie noch viel toller heißt: Pseudotsuga menziesii. Tätäää. Na jetzt aber, Herr Wege: Sechs, setzen.
Heute bin ich also ausgebildet …

KERSTIN von KLEIN
Aus „Sinnieren über Ameisen“

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Nach „Aschenputtel“
einem deutschen Märchen

Eine Tochter liebte ihre Mutter über alles. Das half ihr aber nix, denn die starb lieber zu früh, als so einen volltrotteligen Mann (davon später!) „am Hals“ zu haben, näh!
Naja, der fand danach trotzdem noch ´ne Braut, die war aber eine ächte Xanthippe. Die brachte zwei Töchter mit in die Ehe, die zwar schön, aber garstig (auch ein Wort, das ausstirbt, woll ?) waren, ganz ohne Herz und Mitgefühl. Die hörten nicht auf, ihre Stiefschwester zu mobben, nannten sie Aschenputtel, ja sie wurde von diesem Trio wie eine Sklavin behandelt. Sie musste in der Küche arbeiten und in Asche schlafen. Unklar ist bei dieser Story, warum sich ihr Vater nicht für bessere Arbeitsbedingungen einsetzte, oder sich zumindest nach einer anderen Stelle für sie umkuckte, denn sie war noch nicht mal versichert! Und bekam noch nicht mal einen € für diese Schinderei. Also keine Spur von Solidarität unter Frauen aus dem Proletariat!
Nur ein Haselnussbusch-Reis gab er ihr, dass sie am Grab ihrer Mutter pflanzte. Sie weinte dabei sehr oft und begoss es dabei mit ihren Tränen, sodass es ein schöner Baum wurde. Jeden Tag ging sie zu ihm, um zu heulen, anstatt einmal richtig auf den Tisch zu hauen.
Doch manchmal kommt es anders als man denkt, und von nun an spielt mal wieder ein König die 2. Hauptrolle:
Jener lud alle schönen Jungfrauen des Landes zu einer Dreitageparty auf sein Schloß ein, Di´jis sollten zum Tanz auflegen. Doch da war ein Haken bei: Heimlich wollte er sich eine Braut unter ihnen aussuchen, genial. Man munkelte, dass er in allem sehr wählerisch sei.
Unser Trio wollte durch schikanöse Auflagen verhindern, dass Aschenputtel auch dort auftauchte. So schütteten sie z.B. Erbsen in die Asche die solle sie wieder aufklauben, „das schafft die nie!“ kicherten sie und zischten ab. Aber alle Vöglein unter dem Himmel halfen ihr dabei, denn sie wurden immer von ihr gefüttert, auch im Winter. Ruckzuck, machten sie alles klar. Dadurch hatte sie genug Zeit, ans Grab ihrer Mutter zu gehn, dort rief sie unter dem Haselnussbaum „Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich“, und zack“ lagen glänzende Fummeln vor ihr. Die zog sie an, machte sich fein, und ab ging´s zur Fete. In der Schloßdisco ging die Post ab, sie mischte sich flugs unter die Tänzer. Das Trio erkannte sie nicht, sie war ja geschminkt und trug die teuren Klamotten. Als der König sie endeckte, fuhr er total auf sie ab und hiphopte mit ihr die ganze Nacht. Langsam gab`s keine Extasy-Pillen mehr und alle fanden die Musik plötzlich schrecklich.
Diese Situation nutzte Aschenputtel, um sich zu verdrücken. Sie rannte zu Mutters-Grab, gab ihre kostbare Verkleidung zurück und schlich sich wieder in die Küche. Dort legte sie ihr Haupt wieder in die Asche.
Der König blickte nicht mehr durch „Was, einfach abgehauen ist sie?! Ob sie keinen Bock mehr auf mich hatte?“
Das passierte auch am zweiten Abend, doch diesmal schlich der König hinter ihr her, um zu sehen, ob sie vielleicht von ihrem Macker abgeholt würde. Doch die merkte das sofort und flitzte rasch in den Schloss-Garten. Darin stand ein schöner Birnbaum (er nannte ihn Cosima), an dem die herrlichsten Birnen hingen (was denn sonst ?). Auf dem kletterte sie, behend wie ein Eichhörnchen, zwischen die Äste und ward nicht mehr gesehen. Er ließ den Baum sofort fällen, Strafe muß sein, denn der hatte ja sein Feinsliebchen versteckt. Aber trotzdem war sie nicht mehr dadrin, sie war nämlich von der Hinterseite des Baumes runtergesprungen, (nicht verraten, liebe Leser!).
Am dritten Tag rappten sie wieder, er bewunderte ihr extroveriertes, ausgeflipptes Kopf-hin-und-her-schütteln, ihre hypnotischen Augen versprachen so viel, sie berauschten ihn, das war auch billiger als Hasch. Doch diesmal wollte er es wissen „so nicht wieder“ dachte er sich. . Sie konnte also nicht ahnen, dass der König, nach ihrem Eintreffen, die ganze Treppe mit Pech bestreichen ließ. Als sie nun wieder die Biege machte, blieb ein goldener Schuh von ihr kleben. Ab da suchte der König nur noch die Frau, deren Fuß genau in diesen Schuh passte. Eine von Aschenputtels Stiefschwester schnitt sich dafür einen Zeh ab. Um zum Schloss zu gelangen, musste der König und seine angebliche Braut ausgerechnet an DEM Grab (nah, an welchem wohl?) vorbei. Dort wurde sie von den Täubchen, aus dem Haselnuss-Bäumchen verpetzt, denn die gurrten „Rucke die Uh, Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein, die ächte Braut ist noch daheim“. Da merkte der König, dass er gelinkt worden war und brachte sie zurück. Da hackte sich ihre Schwester ein Stück der Verse ab, dadurch passte ihr der Schuh. Aber auch sie wurde unterm Haselbaum verpfiffen. Da brachte er sie wütend zurück und rief „Verdammt, irgendeinem Weibsbild hier im Haus muss doch der Schuh passen“. Rein „zufällig“ ließ sich Aschenputtel blicken und auch sie bat er, den Schuh anzuziehen, aber Hallo! der passte ihr wie Arsch auf Eimer.
Bevor er sie endlich abschleppte, wusch sie sich und zog ihr diamantenes Kleid an, da erkannte er sie und rief lauthals: „Mensch, das funkelt ja wie ein Christbaum!“, das haute ihn glatt, er war total platt!, er fand sie echt „Super!“ sogar „Spitze!!!“
Die Hochzeit war ´ne Riesensause. Das Trio wollte ihre gute Laune ausnutzen, und sich bei ihr einschleimen, diese falschen Fuffziger! Aber da waren sie schief gewickelt, denn die Tauben pickten ihnen, ruck-zuck, die Augen aus, blind stolperten sie sie durch die Gegend, echt dumm gelaufen für sie!
Aus Dankbarkeit ließ die Königin überall Haselnussbäume pflanzen, die sollten auch anderen „armen Schweinen“ Wünsche erfüllen, da kannte sie nix!.

CACO

23

Ein wenig, wie damals

Ein wenig, wie damals im Grün der Koniferenecke. Wo ich ja hockte. Dort stand außer allen bisher beschriebenen Baumfreunden noch eine Omorika-Fichte. Damals empfand ich sie liebenswert dicht und seriös dunkel. Heute habe ich den Kenntnisstand erlangt, dass die Omoriken nicht so ganz p.c. sind – sie kippen hier immer um. Boden zu lehmig. Gehören nicht hierher. Selbiges denke ich von mir auch manchmal…aber gut. Die Omoriken haben doch einen schlechteren Ruf unter den Gärtnern.
Weiterhin erfreute ich mich der Gesellschaft einer Blauzeder. Noch ganz zart und schon herrlich bizarr. Damals fand ich es sehr eigenartig, wie sie ihre Nadeln büschelweise aus dem Zweig trieb. Ungewohnt künstlich. Wenngleich – und das sah ich schon als Sandkastenpimpf in Spork Eichholz – die Lärche ja das Gleiche tut. Die Lärche war mir auf eine sensible Art näher… vielleicht, weil sie unaufdringlich zart die Nadeln abwarf im Herbst. Das war schon immer EXTREM faszinierend – ein NADELBAUM, der die Nadeln abwirft im Herbst. Total schräg. Als avantgardistisch bewertete ich diesen Mut. Obwohl ich noch nie etwas von Avantgarde gehört hatte. Naja, heute kenne ich dann also auch den Urweltmammutbaum, also die Metasequoia glyptostroboides. Gehört auch zu den Nadelbäumen – und schmeißt auch das Laub, also die Nadeln ab. Wie die Sumpfzypresse. Taxodium distichum. Nur nicht verwechseln. Kann ja leicht passieren, der eine aber gegenständig, der andere wechselständig. WENN belaubt. Haha.
Dieses Metasequoia glyptostroboides ist ein wundersames Wort – man liest es einmal und vergisst es nie wieder. Metasequoia glyptostroboides. Lysergsäure-diäthylamid. Desoxyribonucleinsäure. Betörend. Aus diesem Wortstoff werden großartige Romane geschrieben.
Und dann noch die Laubnadeln abschmeissen. Verrückte Hühner!
Als finales Bonbon gab es zur Linken die….Trommelwirbel….COLORADOTANNE. Abies concolor. Ein Name wie Fury, Blitz und Black Beauty zusammen. Coloradooooooooootanne. Und die WAR vielleicht nett. Derart freundlich. Ein richtiger Kinderbaum. Ganz glatte hellgraue Rinde. Ganz ganz lange, an den Enden sanft abgerundete Nadeln. Dick. Grünlichgräulich. Fast sukkulent. Selbstverständlich ebenfalls ein DUFT!!!! Eher hauchigzitronigwürzig. Ein Duftekumpel. Um ehrlich zu sein: wenn Kartoffeln so duften würden, hätten sie bei mir damals mehr Chancen gehabt und da sind wir auch schon wieder am Ausgangsort des Geschehens. Kartoffeln.
Opa hatte die Koniferenecke geentert, ein Versteck, das natürlich keins war – und bat mich zu Tisch. Opa roch nicht nur an Nadelbäumen, sondern auch den Braten.

KERSTIN von KLEIN
Aus „Ich verliere mich“

24

Predigt

Viele Bäume sind Kyrill zum Opfer gefallen. Viele Baumstümpfe im Wald zeugen traurig davon. Jeder einzelne Baumstumpf erzählt vom Leben seines Baumes, dabei gleicht keines dem anderen. Ich schaue mir die Jahresringe genau an, die gleichmäßig um eine Mitte kreisen. In dieser Mitte hat das Leben des Baumes einmal begonnen, zart und schwach mit einem dünnen Stiel aus einem Samenkorn gekeimt. Fester und stärker wurde der junge Baum, Jahr um Jahr. Ein Ring wächst unter der schützenden Rinde, da, wo die Lebenssäfte auf- und absteigen; wo die Lebenssäfte des Baumes pulsieren. Ein Jahresring formt sich aus den Lebensbedingungen des Baumes. Sonne, Regen und guter Boden lassen einen breiten Ring entstehen. Ein sparsames Jahr mit schlechten Wachstumsbedingungen lässt auch den Baum nur wenig wachsen. Die Lebensbedingungen eines Baumes haben sich in seine Jahresringe eingezeichnet, nach außen verborgen hinter der groben, schützenden Rinde. Erst wenn der Baum gefällt ist wird sichtbar, wie er gewachsen ist und was ihn geprägt hat. Vor uns liegt dann sein stetiges Wachsen und Werden, Jahr um Jahr, kreisend um eine Mitte.

Rainer Maria Rilke hat sich von dieser Weisheit der Bäume zu einem Gedicht anregen lassen:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm
und ich kreise jahrtausendelang
und ich weiß noch nicht
Bin ich ein Falke, ein Sturm,
oder ein großer Gesang.

Ein Gedicht voller Weisheit und Lebenserfahrung. Der Rhythmus der Worte, erzählt von Vertrauen und Beständigkeit und lässt ahnen, dass sich hier ein Mensch über sein Leben Gedanken macht. Er schaut zurück auf das Wunder der gewachsenen Kreise um eine Mitte, aus der es hervorgegangen ist und schaut in die Zukunft mit dem Mut zum Wachsen und Ringen. Ich hätte dabei eher an einen älteren Menschen gedacht, aber Rainer Maria Rilke war erst 24 Jahre alt, als er dieses Gedicht schrieb. Es ist also keine Frage des Alters, Weisheiten des eigenen Lebens zu entdecken. Wer wohlwollend auf sein Leben schaut, der kann die Weisheit seines eigenen Lebens aufspüren. Das Gedicht lädt ein, die eigenen Lebensringe zu betrachten. Lassen Sie sich von meinen Gedanken inspirieren auf Ihre Jahresringe zu schauen: Vieles ist im Laufe des Lebens geschehen. Manches hat sich eingegraben, hat Spuren in mir hinterlassen. Viele Menschen, nahe und ferne, viele Erlebnisse, traurige und freudige, viele Erfahrungen, bittere und ermutigende,
haben mich geprägt und meine Jahresringe mitgestaltet. Ich bin geworden, gewachsen, mein Leben hat Kreise gezogen, Kreise um eine Mitte, einen Ursprung. Was kenne ich von meiner Mitte, um die sich mein Leben dreht? Wie sieht mein innerster Kern aus, der mich ausmacht?
Worauf hoffe ich und vertraue ich? Nicht immer liegt mein Leben offen vor mir, nicht immer kenne ich meine Mitte, nicht immer kreisen meine Gedanken um Gott, den Ursprung auch meines Lebens. Und dennoch wachse ich, und dennoch bin ich getragen und gehalten,
manchmal sogar so, dass ich es fühlen kann, und dennoch richtet sich mein Leben an einer Mitte aus. Ein Segen liegt auf dem Leben, der Segen Gottes, der Kraft, die Anfang und Ziel des Lebens ist. Die mich begonnen hat und mich vollenden wird, wenn es an der Zeit ist und die beständig und treu mein Wachsen und Ringen begleitet. Mit diesem Segen kann ich glauben, dass mein Leben im Ursprung, aus dem alles kommt, gut aufgehoben ist. Mit diesem Segen, kann ich hoffen, dass auch mein Leben Vollendung finden wird. Und mit diesem Segen darf ich vertrauen, dass ich wachsen und reifen darf, mit meinen individuellen Vernarbungen, Verletzungen, Ecken und Kannten, jeden Tag neu. Mögen wir die Bäume, die weise in unser Leben hineinsprechen, schützen, die Schöpfung achten und Bäume pflanzen

BIRGIT SCHNELLE
2006

25

Seit meiner Kindheit

Soweit ich zurückdenken kann, hatte ich mit ihnen zu tun. Als Kind kletterte ich in ihnen, versteckte mich da oben, baute
Baumhäuser mit anderen Kindern, band Schaukeln an ihre Äste, warf mich im Herbst in Laubberge, warf das Laub hoch, freute mich über seine Farben und glaubte ganz fest daran, dass nur der liebe Gott sie so mischen kann. Ich erinnere mich an das Sonnenlicht, das mit seinen Strahlen, wie durch Kirchen-fenster, in den dämmrigen Wald fiel. Den Geruch von damals habe ich immer noch in der Nase. Und immer wieder, wenn ich heute durch einen gehe, sehe ich mich, ganz jung noch, an Bächen spielen und wie sie meine Seele berührten, und das immer noch.

CACO

26

Auf …

Auf den großen Plätzen stehen die Weiden,
Schon seit Wochen sind die Messer gewetzt,
Wolken und Donnerschlag überstehen die Zeit,
Wo sind die Flüsse, die wir uns geschenkt?
Wo sind die Mützen, die wir uns gestülpt?
Wo ist der Weihnachtsbaum, der vom Wurm benagt,
dem Allerheiligsten sich verband und die Kinder erfreut…. ?

RICHARD HUELSENBECK

27

Etwas von Frieden …

Es soll etwas Frieden von euch ausgehen. Etwas von Hoffnung, etwas von neuen Anfängen, wo keiner mehr an neue Anfänge glaubt. Etwas von Zukunft, wo ganze Völker sich nur noch an ihrer Gegenwart festhalten können, weil sie sonst die Angst verschlingt. Es soll etwas von dem Gleichnis an euch sichtbar werden:

„Gesegnet ist der Mensch,
der ist wie ein Baum,
am Wasser gepflanzt,
der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt.
Wenn auch die Hitze kommt,
fürchtet er sich doch nicht….“
(Bibel, Jeremia 17)

JÖRG ZINK

28

Die Natur hat sich zum Aufstand formiert

„Natur thut allzeit mehr als Demonstration“ hat Lessing einst in seiner Fabel über den Hirsch und den Fuchs, zwei Waldtiere, gereimt, und das Wort in seiner Doppelsinnigkeit mag lehren, dass auch die gesellschaftliche Gärung für sich allein diese Bedrohung der Industriegesellschaft noch nicht vollgültig beschreibt. Wenn es sich bewahrheitet, dass die Waldschäden eine Folge des Industrialisierungsprozesses sind, steht die Wirtschaft vor der größten Herausforderung seit den Geburtswehen der Arbeiterbewegung.
Der Frühkapitalist konnte den Arbeitskampf noch dadurch beenden, dass er die gesamte Belegschaft austauschte. Der neue Konflikt ist radikaler und lässt sich durch keine Gewerkschaft vermitteln. Hinter dem Palisadenzaun normierter Rahmenbedingungen für das wirtschaften hat sich die Natur selbst zum Aufstand formiert. Dabei geht es nicht mehr um die materielle Bewertung des Produktionsprozesses und der Arbeit wie bei den tariflichen Auseinadersetzungen, sondern um Rohstoff und Produkt der Industrie und damit um den Produktionsprozess als solchen. Durch ihn wird die Natur gegen den Menschen munitioniert. Das Produkt erschlägt seinen Schöpfer.

DANKWART GURATSCH

29

Auch die Bronchialbäume sterben

… Überdies reagiert der Körper auf Reizstoffe wie Schwefeldioxid, indem sich die Bronchien zusammenziehen, so dass das Atmen schwer fällt. Damit der Sauerstoffhaushalt weiterhin ausgeglichen gehalten werden kann, muss der Kreislauf stärker als üblich beansprucht werden. Das ist ein Grund dafür, dass sich der Zustand von Herz-, Asthma- und Lungenkranken bei Smog-Wetter dramatisch verschlechtert.
Obendrein liegt es offenbar auch am Schwefeldioxid, dass Westdeutschland, bezogen auf die Bevölkerungszahl, eine der höchsten Krebsraten der Welt hat.
Der Medizinprofessor Hermann Beckenkamp hat letztes Jahr das Ergebnis einer Analyse vorgestellt, nach der „zweifelsfrei“ feststeht, dass es für das Waldsterben und die „auffälligen Verteilungsmuster von Lungen- und Brustkrebs – deutliche Häufung entlang der „Industrieschiene“ gibt, keine andere vernünftige Erklärung gibt, als die Annahme eines Ursachen-Wirkungs- Mechanismus“. Sowohl Waldsterben als auch Krebsverteilung seien Folgeerscheinungen der Luftverunreinigung.
Die Schadstoffe, die das Baumsterben verursachen, sind – so formuliert es Prof. Gerhard Siemon – zugleich Gifte für unsere Bronchialbäume.

DER SPIEGEL
Nr. 2/1984

30

Aus “Zarathustra”

Dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können….Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann….Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht… Ehemals war alle Welt irre „Wir haben das Glück erfunden“ – sagen die letzten Menschen.

FRIEDRICH NIETZSCHE

31

Im Gestern …

Im Gestern versinkt das Jetzt,
tiefe Spuren im Sand
sammeln Tau und Regen,
spiegeln Wolken und Licht
und Träume aus morgen und nie mehr vergehen.

Die Amsel neigt sich,
trinkt einen Tropfen Himmelblau,
wirbelt funkelnden Regen aus Pfütze und Federkleid,
hält der Sonne ihr Trocknen entgegen,
putzt und glättet, was aufbegehrt,
und schwingt sich,
im Glanz orange-schwarzer Frische
ins Wipfelwiegen,
singt ihr Lied voll Hoffen und Sehnen
über Baumkronen und Wiesenblühen.

Amselflug,
beschwingte Lebenslust
im Schattenspiel sonnenheißer Tage.

Nah dem getretenen Pfad
Wiesenglück verborgen im Blättergrün
das Gestern vergessen, das Jetzt umarmen
im lustgetränkten rosafarbenen
Augenblick.

GEPA KLINGMÜLLER

32

Dich kenne ich

Dich kenne ich, dich liebe ich,
dich sah ich wachsen,
Holz.
Darum,
so ich dich anrühre,
antwortest du
wie ein geliebter Leib,
du weisest mir
deine Augen und deine Fasern,
deine Knorren, Deine Male,
deine Adern,
die reglosen Flüssen gleichen.
Ich weiß,
was sie
singen
mit Windes Stimme,
ich lausch
der stürmenden Nacht…..

PABLO NERUDA

33

7000 Eichen

Als seinen Beitrag zur 7. documenta in Kassel ließ Joseph Beuys 7000 Eichen pflanzen.Die 7000 Eichen sind ein Aufruf an die Kommune, die Zerstörung des Waldes, wie sie z. Z. um Kassel herum geschieht, Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Auch der Dalai Lama äußerte sich während seines Besuches in den USA und in Kanada 1979 und 1980 „Niemand weiß, was in wenigen Jahrzehnten passieren wird, oder in einigen Jahrhunderten. Welche nachteiligen Auswirkungen zum Beispiel die Zerstörung der Wälder auf das Wetter, die Böden, den Regen haben wird. Wir haben Probleme, weil sich die Leute auf ihre selbstsüchtigen Interessen konzentrieren, auf das Geldmachen, und nicht an die Kommune als Ganzes denken.“

Wie sein gesamtes Ouevre, widmet Joseph Beuys auch dieses ökologische Kunstwerk, die 7000 Eichen, dem Sieg sozialistischer Wärme und Selbstbestimmung über materialistische Habgier und Entfremdung. Und nicht nur er, sondern viele moderne Künstler haben die Aufmerksamkeit der Gesellschaft durch ihre Kunst auf das Problem der Ökologie gelenkt.

Dalai Lama: „Die Zerstörung der Wälder, denke ich, ist materialistische Gier, und Ressourcen von Mineralien aufzubrauchen, kann als materialistische Gier angesehen werden”

Nach LOURIEN WIJERS
im Gespräch mit dem Dalai Lama
Aus “Schreiben als Plastik”

34

Bodenversiegelung

1981: In jeder Sekunde werden in der BRD 20 qm Kulturboden zubetoniert, asphaltiert, unfruchtbar gemacht.

September 2007: In NRW sind jetzt schon 21.6 % der Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke verbaut. Das Land ist Spitzenreiter im Flächenverbrauch bundesweit. Und täglich wächst die bebaute Fläche um 15 Hektar.

Das entspricht in etwa der Größe von 20 Fußballfeldern. 26

„Was man liebt, asphaltiert man doch nicht!“

35.

Der Schauende

Ich sehe den Bäumen die Stürme an;
die aus lang gewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß:
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos.

RAINER MARIA RILKE

36

Tag für Tag verliert das Auge.

Da hat jemand sein Haus saniert. Mit großer Mühe, und es mit lang abgesparten Geld vermurkst bis in alle Ewigkeit. Dabei selbst Hand angelegt, seine alten Bäume umgesägt. Und plötzlich steht das Haus verloren da. Kahl wie ein Kühlschrank. Deutschland – auf- und ausgeräumt. Man hört den Wind nicht mehr. Und nicht den Regen. Und die Vögel bringt kein Vogelhaus mehr zurück. Und plötzlich ist die Strasse eng geworden. Und das Grundstück klein. Die Tiefe fehlt. Die Höhe fehlt. Und alle Räumlichkeit. Nicht die Veränderung an sich ist es, die deprimiert, die gab es immer, muss es geben, wo etwas lebendig ist, sondern der Abstieg ins Grelle und Banale. Der Verlust an Gestalt. An Geschmack und Qualität. Nicht das Auge sieht, sondern der Mensch.

HUGO KÜKELHAUS

37

Wenn die Bäume sterben

Wenn die Bäume sterben
die jahrhundertstarken –
Heimfinden und Trost
nicht mehr sind,
zerstört bis ins Mark.

Brüder, sagen wir schmerzlich,
streichen über die Borkenrinde,
fallen mit dem Blick
staunend aus dem Erdbereich
in die lüftekreisende Krone,
in den Ästen das Blau, Wolken –
Atem und die Musik
unerreichbarer Gestirne
die sie noch halten
wie Kindheit und Äpfel.

Wenn die Bäume sterben
die jahrhundertstarken –
aus Waldtiefe, Garten und Grün.
Fallen in der Einheit
wir ihnen nicht nach?

ASTRID CONNERT

38

Wälder sind die Lungen der Natur

Die so genannten „Regenwälder“ in den Tropen, insbesondere am Amazonas, sind Atmungsorgane der Erde, denen wir auch hier unser Leben verdanken. Darum sind die Berichte über den Raubbau an den tropischen Regenwäldern von erschreckender Bedeutung: Von 4.5 Millionen Quadratkilometern sind bereits 2 Millionen (Stand 1984) nicht mehr existent. Auf den Satellitenrasterbildern des Amazonasgebiets zeichnet sich deutlich der Prozess der rapiden Zerstörung ab. In zwei bis drei Jahrzehnten kann das dortige Ökosystem endgültig zerstört sein.
„Die Wüste wächst! Weh´ dem, der Wüsten bringt!“ so warnte Friedrich Nietzsche vor Beginn dieses Jahrhunderts. Dem Wachstum der Wüste und der „Verwüstung“ der Erde durch den Menschen, entsprechen die „Wüste“ die in unserem Inneren wächst, und die Verwüstung unseres sozialen Lebens.

WERNER GEORG HAVERBECK

39

Die Lebensrechte späterer Generationen

Wie das Waldsterben und die große Irritation, die von ihm ausgeht UNS lehren, beginnt der süße Sommer der Schlafmützigkeit und des robinsonhaften „Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben“ nun freilich einem bitteren herbstlichen Erwachen zu weichen. Das kurzatmige Augenblicksinteresse sieht sich von einem Langzeitdenken bedroht, das über Tag und Legislaturperiode und über das eigene Leben hinaus das Wohl und die Lebensrechte nicht nur der heutigen, sondern auch späterer Generationen geltend macht – denn so lange leben Bäume, und so lange brauchen sie, um unter Beachtung der „Nachhaltigkeit“ geschlagen werden zu können.
Erst die moderne ökologische Erkenntnis hat für die ruinöse Raubbaugesinnung den Begriff gefunden. Engstirniges Wirtschaften für den eigenen, begrenzten Vorteil wird zum Todestrieb, der mit den letzten ökologischen auch die letzten ökonomischen Spielräume zerstört. Der Industriebetrieb und die Gewerkschaft, die auf ihr Recht pochen, ein veraltetes Kraftwerk mit hohen Emissionsraten zu betreiben, erinnern an den Sahelbauern, der seine Ziegen in die verdorrende Steppe schickt. Dem Nutzen des Augenblicks wird die Zukunft ganzer Regionen und Völker geopfert. Aber die sterbenden Wälder lehren: Wie in der Wissenschaft, so muss auch in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die Einsicht zurück gewonnen werden, dass das Ganze mehr wert ist als seine Teile, dass der Ganzheitsbezug wichtiger als das Einzelinteresse ist

DANKWART GURATZSCH

40

Gelobt sei die Naturgestaltung

Drum Untertanen zieht hinaus
sucht euch die schönsten Bäume aus
die skrupellos den Park verschandeln
in Kleinholz sollt ihr sie verwandeln
mit Gottes Segen Schicht für Schicht
vergesst mir die Alleen nicht
der Mensch, der hier vorübergeht
und in sich einkehrt zum Gebet
von tiefer Traurigkeit umworben
empfindet sich als mitgestorben.

RAINER DANSCHEIDT

41

Kreise an einem Samstag im Juni

Die zarten Blüten
so leicht berührt
vom Morgenlicht

ein Samstag im Juni

Kain spinnt
keine Netze
für den Krieg

mein persönliches Land
kleinkissengroß
weit weg
von mächtigen Männern
noch fern der Hitze
für Schlangen unsichtbar

der Schatten
eines Baumes
kühlt die Stille
die Welt
des Balkons
hinter der Jalousie

meine Wurzeln suchend
als Gabe
meine Hände
frei
im runden Raum
aus Blau Grün

im unverbrauchten Jetzt
liegend
noch zu früh
den Tag zu verschlingen

eine Tasse Heilkräutertee

SILKE FEHSE

42

Rede an mein Haus

Das Bild der Erziehung, das innere, heilige Wesen einer besseren Erziehung steht im Bild eines Baumes, der an den Wasserbächen gepflanzt ist, vor meinen Augen. Siehe, was ist er? Woher kommt er mit seinen Wurzeln, mit seinem Stamm, mit seinen Ästen, mit seinen Früchten? Siehe, du legst einen kleinen Kern in die Erde. In ihm ist des Baumes Geist. In ihm ist des Baumes Wesen. Er ist des Baumes Samen. Der Kern ist des Baumes Geist, der sich selbst und durch sich selbst den Leib schafft. Sieh ihn an, wie er sich aus der Muttererde entfaltet. Schon ehe du ihn siehst, schon ehe er aus der Erde hervorbricht, hat er in ihr Wurzel geschlagen. So wie den Baum, sehe ich auch den Menschen aufwachsen. Unsichtbar liegen im Kinde, schon ehe es geboren, die Keime der Anlagen, die sich in ihm durch sein Leben entfalten.

JOHANN HEINRICH PESTALOZZI

43

Ein Nachruf

Blätterrauschen
Abgesägt
Von der Wurzel der Baum
Abgeschlagen
Vom Baum der Ast
Abgebrochen
Vom Ast der Zweig
Abgefallen
Vom Zweig das Blatt

Hier
Rauschen keine Blätter mehr

KARL-HEINZ RENNER

44

Wenn

Wenn dir die Häuserschluchten zu eng werden, setz Dich aufs Fahrrad, Richtung Wander- und Fahrradwege. Natur, Grün, unendlich viel Grün, Bäume, Parks, Wälder, Bruchlandschaften, Wiesen, Felder, Ufer, Rhein etc. Oder schau in die Ferne. Steig auf einen der vielen Kirchtürme, oder einen Aussichtsturm. Oder fahr zum Egelsberg, nirgendwo sonst in Krefeld, bist Du dem Himmel so nah. In der Nacht stehst Du da unter einer Sternen-Halbkugel, und wenn Du lange nach oben schaust, siehst Du, woher wir kommen, wohin wir gehen, denn wir alle sind Sternenstaub, alle und alles Teile von einem unendlichen Ganzen.
Mit zu vielen Lasten, erlernst Du das Fliegen nicht.

CACO

45

Herr K. und die Natur

Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K.: „Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr der Tages- und Jahreszeit entsprechendes Andersaussehen einen so besonnenen Grad von Realität erreichen. Auch verwirrt es uns in den Städten mit der Zeit, immer nur Gebrauchsgegenstände z sehen, Häuser und Bahnen, die unbewohnt leer, unbenutzt sinnlos wären. Unsere eigentümliche Gesellschaftsordnung lässt uns ja auch die Menschen zu solchen zählen, und da haben Bäume wenigstens für mich, der ich kein Schreiner bin, etwas beruhigend Selbständiges, von mir Absehendes, und ich hoffe sogar, sie haben selbst für die Schreiner einiges an sich, was nicht verwertet werden kann.

BERTHOLD BRECHT

46

aus Die Wiese

….die Bäume am Hang sind mit ihm aufgewachsen, viele hat er selbst gepflanzt,
andere kennt er noch aus seiner Jugend, die fallen jetzt unter seiner Axt. Es sind
prächtige Bäume darunter, wunderbar im Frühling, wenn das Laub aus den
Knospen bricht, das mag schon sein, und in Sommernächten unter dem ziehenden
Wind. Allein davon weiß Michael nichts, er ist kein Schwärmer. Laub mag rot oder
grün sein, es gibt dieselbe gute Streu für seinen Stall, aber es wirft auch Schatten
auf seinen Acker. Man muss darauf sehen, dass die Kronen nicht zu üppig werden
und dass man das Holz herausschlägt, solange es noch gesund und fest im Kern ist.
So hat alles seinen Sinn und seine gute Ordnung in dieser kleinen Welt.
Michael wacht darüber mit dem einfachen Verstand des Bauern.
Auch Gott macht keine Verse.

KARL-HEINRICH WAGGERL

47

Bäume

Bäume erzählen Geschichten von längst vergangenen Zeiten,
zählen die Jahre,
schaffen Wohlgefühl,
speichern Wasser,
halten die Erde,
spenden Schatten,
geben Luft,
decken zu,
schützen.
Aber wer schützt sie?

KARL-HEINZ RENNER

48

Wir sind ein Land

Am 9.11.2009
20 Jahre nach dem Mauerfall
sollte wieder eine Mauer fallen.
Friedlich
mit Mut und Entschlossenheit.
Nicht die mächtigen Männer und Frauen,
von denen unser Land regiert wird,
sondern, wir, das Volk, ein Land,
wollen es anders.

Wir wollen
keine Zeitarbeitsfirmen mehr.
Wir wollen
keine Call-Center mehr.
Wir wollen
keine endlos bedruckten Werbeflyer mehr.
Wir wollen keine
Atomkraftwerke mehr.

Es ist sowieso alles zuviel,
so viel zu viel,
Überall,
Zuviel Reklame,
Zuviel in Plastik, doppelt eingepackt.
Zuviel Spiel, Kriegsspielzeug.
Zuviel Variation von allem,
was wir nicht brauchen.

Das Glück hat keinen Namen mehr
in diesem Land,
wenn wir so weitermachen.

Wir wollen keine Ausweise mit Fingerabdrücken.
Wir wollen keine Krankenkarten mit all unseren Daten.

Wir wollen keinen Überwachungsstaat.

Wir wollen
Arbeitsplätze mit gleichem Lohn für die gleiche Arbeit.
Spielplätze in den Städten für Kinder.
Bäume in den Städten, Aufforstung auf dem Land.
Wind-, Wasser- und Sonnenkraftwerke.

Wieder sinnvolles machen, sehen und hören.

Lasst uns dieses Land aus Wolkenstein wahr werden.
Lasst es uns bauen.

Wir sind ein Land.
Wir schaffen das.

Sonst werden Generationen nach uns sagen,
das war die Zeit
mit dem vielen Plastikmüll.
Mit dem vielen Atommüll.
Und mit blauen oder violetten Getränken.

Unangenehm,
wenn wir in die Zukunft schauen könnten.

Und das war die Zeit mit der bewussten Tierausrottung.
Und Waldverödung.

Und,
das war die Zeit
mit der größten Wasserverschmutzung und -vernichtung,
aber es gab blau und violett,
eingefärbtes Wasser in Plastikflaschen.
Und genmanipuliertes Essen.

Warum wurde das nicht unterbunden?
Was sagt Ihr euren Urenkeln dann?
Ich habe es nicht versucht?
Ich hatte keine Zeit, weil der Flachbildschirm lief …
Mit der Serie …

Wolkensteine könnten wahr werden.
Und daraus wird Glas und Stein.
Keine Plastikverpackungen mehr.
Damit fängt es an.
Und geht weiter.

Und am Ende gibt es wieder
Gute Nahrung.
Gesunde Kleidung.
Und gleichen Lohn für die gleiche Arbeit.

Ich arbeite an einem Baggersee und fördere Sand.
Ich arbeite in einer Glasfabrik.
Ich arbeite als Förster.
Ich arbeite als Maurer, meine Mauern tragen Solardächer.
Ich baue Tische aus Holz für Schulen.
Ich bin Gemüseverkäuferin bei einem Bauern.
Und was wirst du sein?
Und essen und trinken?

Ich trinke Milch,
die nicht genmanipuliert ist,
aus einer Glasflasche.
Und ich denke darüber nach,
dass das besser wäre…

Wir sind ein Land.
Wir schaffen das.

FRANK SEIBEL

49

Der Mai ist gekommen

Reden wir über den Ausschlag
der Bäume, über das Schäumen
des gleichnamigen Krauts in den Wiesen.
Die poetischen Anstrengungen sind
nicht weniger geworden.
Die Liebe ist nicht leichter
zu bewerkstelligen
nur dadurch, dass es Mai ist.
So werfen wir Blicke auf Herz
Abschürfungen und Seelenspliss,
auf die romantische Mechanik
der Körper, auf Einsamkeiten
getarnt mit einem Lächeln.

Nur das Grün ist grüner.
Tatsächlich.

NAZIM HIKMET

50

Die Wanderlinde
oder Neues ist möglich

Die Kuh glotzte.
Das ist an sich nichts Besonderes: Alle Kühe glotzen. Jederzeit. Denn ihre Augen haben von Natur aus einen so verwundert fragenden Ausdruck, dass ihr Blick einfach als Glotzen bezeichnet werden muss.
Die Kuh glotzte also. Sie hatte auch allen Grund dazu. Ihre Weide wurde nur durch ein paar Zaunpfähle, die schief und krumm bis zum Horizont zu hüpfen schienen, und durch zwei Drähte von der schnurgeraden Landstraße getrennt: damit keine Kuh auf die Straße lief. Deshalb war das so.
Die Kuh glotzte und machte im Stehen ein Bäuerchen, um noch einmal das letzte Maul voll Gras gründlich zu kauen. Gerade hatte sie nämlich keine Zeit weiter zu weiden. Denn es war wieder passiert:
Ein Auto hatte auf der Straße nicht geradeaus rollen wollen oder geradeaus rollen können und war aus voller Fahrt gegen einen Baum geprallt! Die Allee bestand hier aus deutlich mehr Zwischenräumen als Bäumen, trotzdem hatte der Wagen eine der Linden voll erwischt. Gut einen Meter tief hatte sich ein Baumstamm mit einem schaurigen Geräusch in Kühler, Motorhaube und Motorblock gefressen.

Mit der ländlichen Ruhe war es danach vorbei. Krankenwagen, Feuerwehr, Polizei rasten herbei – die Kuh glotzte und würgte eine weitere Grasportion hoch. Zum Kotzen, der Krach! Kein Polizist, kein Feuerwehrmann, kein Notarzt konnte ohne Lärm kommen!
Und gleich nach dem Unfallwagen, Abschleppwagen, Feuerwehrwagen, Krankenwagen und Polizeiautos wieder weg waren, tauchte ein grüner Wagen auf. Männer stiegen aus, begutachteten den beschädigten Baum, der nach dem Aufprall leicht schräg stand. Dann schüttelten sie den Kopf – „Wird nix mehr!“ – holten Kettensägen aus ihrem Transporter und verarbeiteten in ungefähr vierzehneinhalb Minuten das zu Holzklötzen, was siebenundfünfzig Jahre zum Wachsen gebraucht hatte.

Die Kuh glotzte.
So was! Aus Laub machten die sich wohl gar nichts, so wie die damit umgingen. Sie selbst hätte gern einmal ein Maulvoll Lindenlaub geknabbert.
Es ging auf den Abend zu. Also war es höchste Zeit sich endlich artgerecht niederzulegen und gepflegt wiederzukäuen. Umständlich legte sich die Kuh also in der Nähe des Zaunes nieder und rülpste ihren Mageninhalt portionsweise noch einmal ins Maul, so wie sich das für eine anständige Wiederkäuerin gehört.

Wenn die Kuh in den aufziehenden dünnen Abendnebel schaute, sah sie nicht nach Glotzen aus, sondern fast ein wenig verträumt. Sie dachte über den Geschmack von Wiesenschaumkraut nach, den Geschmack von frühem, spätem und Winter-Löwenzahn, von Gänseblümchen. Aber plötzlich – plötzlich riss sie die Augen auf und war wieder hellwach! Die Linde direkt neben dem hässlichen Loch, wo gerade der Baum gefällt worden war, hatte sich bewegt!

Das ist an sich nichts Besonderes: Alle Bäume bewegen sich. Im Wind. Jederzeit.
Aber diese Linde hatte förmlich gezuckt. Von der Krone bis hinab zu den in der Erde verschwindenden Wurzeln war ein heftiger Ruck gegangen. Gerade als die Kuh sich fragte, ob sie sich das Ganze eingebildet haben könnte, folgte ein zweite ruckartige Bewegung. Außerdem sagte der Baum klar und deutlich: „Verdammt Scheiße! Hätten die beim Pflanzen nicht einen etwas leichteren Boden verwenden können?!“
Dann warf die Linde sich vor den Augen der Kuh, (die mittlerweile wieder unbestreitbar glotzte,) hin und her – dabei war es völlig windstill.
Mit einem Geräusch, das man am ehesten als ein dumpfes „Ffflumppp!“ beschreiben kann, löste sich eine große Wurzel aus dem Erdreich! Ihr folgten nach und nach weitere reich verzweigte Wurzeläste. Mit offenem Maul verfolgte die Kuh, wie der Baum sich schließlich heftig bis in die äußersten Wurzelspitzen schüttelte – dabei flogen Erdkrümel in alle Richtungen. Ein Bröckchen landete im linken Auge der starrenden Kuh, die sofort schmerzlich das Auge zukniff.
„Muss das sein? Du hast mir wehgetan!“, muhte es daraufhin ungehalten in Richtung Baum.
Der rauschte unternehmungslustig mit den Zweigen: „Ja. Muss sein! Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen!“
„Was für Umstände? Was für Maßnahmen?“, maulte die Kuh und versuchte die Erde aus ihrem Auge zu blinzeln.
Die Linde beugte sich tief über den Zaun und die Kuh, die deshalb etwas ängstlich nach oben äugte, und sprach: „Maßnahmen, die dazu führen, dass ich nicht ein Opfer des Umstandes werde, dass ein Baum nach dem anderen hier von Autos umgemäht wird. Ich bin doch nicht bescheuert und bleibe in dieser Allee stocksteif stehen, bis der nächste Bekloppte seinen Wagen vielleicht um meinen Stamm wickelt. Dann werde ich nämlich in vierzehneinhalb Minuten zu Holzklötzen verarbeitet. Und dazu habe ich keine Lust. Darauf zu warten ist nicht der Sinn meines Lebens.“
„Was willst du denn tun?“, erkundigte sich die Kuh, die durchaus interessiert war zu erfahren, wie man Unausweichlichem ausweichen konnte – schließlich hatte sie schon öfter davon gehört, dass Menschen Rinderbraten schätzen.
Der Baum richtete sich stolz zu seiner ganzen Höhe auf: „Ich wandere aus! In dieser Allee will ich nicht ins Gras beißen. Nicht heute, nicht morgen und nicht demnächst.“
„Bäume können nicht laufen“, wandte die Kuh zaghaft ein.
„Pappelapap!“, fegte die Linde den Einwand mit rauschenden Zweigen beiseite. „Es gibt Sommerlinden, es gibt Winterlinden, es gibt Tanzlinden – nun, dann bin ich eben eine Wanderlinde.
„Sommerlinde? Kenn ich. Schmeckt leicht süßlich. Winterlinde kenn ich auch. Hilft langsam gekaut bei Blähungen“, sinnierte die Kuh. „Aber was bitte soll eine Wanderlinde sein?“
In der Krone der Linde jenseits des Zaunes schien sich so etwas wie ein spitzbübisches Grinsen abzuzeichnen, als der Baum scheinbar mühelos zuerst ein wenig nach rechts, dann nach links glitt. Wie ein Tausendfüßler bewegte sich die Linde, allerdings nicht ordentlich mit Beipaaren in zwei Reihen von Kopf bis Po ausgestattet, sondern unten mit unzähligen feinsten Wurzelenden bepelzt, durch die Bewegungswellen liefen. „Ich bin eine Wanderlinde! Siehst du das nicht?“
Verzweifelt mahlten die Kiefer der Kuh im Leerlauf. Was hier geschah, ging über ihren grasumnebelten Verstand! „Aber“, stammelte sie verwirrt, „aber Bäume wandern einfach nicht!“
„Hör mal, Wiederkäuer“, raunte der Baum und beugte sich nun gefährlich weit über den Zaun. „Wenn nicht irgendwann Dinge zum ersten Mal geschähen, dann gäbe es dich nicht, mich nicht, dann gäbe es überhaupt gar nichts auf der Erde – und wahrscheinlich nicht mal die. Ich bin ab heute eine Wanderlinde! Zugegeben, das ist neu. Aber Neues ist möglich. Akzeptiert das einfach mal.“
„Wo willst du denn jetzt hin?“, wollte kleinlaut die Kuh wissen.
„Erst mal aus der Schusslinie“, erwiderte die Wanderlinde gutgelaunt. „Dann weiter. Vor Autos und Bahnübergängen sollte ich mich wohl in acht nehmen. Aber sonst bin ich für alles offen. Wer weiß, vielleicht lerne ich sogar jemand Nettes kennen. Einen Ahorn zum Beispiel. Oder sogar einen Hain, eine Hecke oder, mit Glück, ein nettes Wäldchen!? Vielleicht gehe ich aber auch in den Widerstand und schließe mich einem rein ökologisch bewirtschafteten Forst in Randlage zur Startbahn West an.“

Und damit marschierte die Linde los – quer über die Wiese, lässig gut zwanzig Meter Draht mitreißend und dicht an der zutiefst verwirrten Kuh vorbei. Die sah der im Dämmerlicht verschwindenden Wanderlinde sprachlos nach. Aus der Ferne meinte sie noch ein leises Singen zu hören: „Ich brauch Tapetenwechsel, sprach die Birke …“

Landwirt Ladislaus K. glotzte, als er am nächsten Tag seine Rinderweide kontrollierte: Deren Zaun war mehrfach durchbrochen, sämtliche Kühe waren davongelaufen. Aber am verblüfftesten war er, dass eine Allee von rund 120 Linden über Nacht einfach mit Stumpf und Stiel verschwunden war!

BARBARA RATH

51

Über allen Gipfeln ist Ruh.
Das stammt, man weiß es, von Goethe.
Wer schlüge dem die Türe zu,
der dies zu einem Lebensbaum böte!

Die Vögelein schweigen im Walde,
Auch hier ist Nacht und Traum, -
Warte nur, balde
wird`s wieder lebendig
im Baum

ALBERT VIGOLEIS-THELEN
Aus „Jahres-Lebensbaum-Anwunsch“ 1985

52

Bei Bäumen

Bei Bäumen ist die Lunge
der wichtigste und größte Körperteil.
Unter einer blühenden Lunge lag ich,
in den unwirtlichen Armen meiner Mutter,
so um den ersten Mai herum,
drei Wochen nach meiner Geburt.
Die wogenden Birnbaumblüten wiesen mir
schon da den Weg hinaus.

ELISABETH SCHLANSTEIN

53

Die Birke

Es wächst wohl auf der Heide
und in Des Waldes Raum
ein Baum zu Nutz Und Freude,
genannt der Birkenbaum.

Die Schuh, daraus geschnitzet,
Sind freundlich von Gestalt.
Wohl dem, der sie besitzet,
Ihm wird der Fuß nicht kalt.

Es ist die weiße Rinde
zu Tabaksdosen Gut,
Als teures Angebinde für den,
Der schnupfen tut.

Man zapfet aus der Birke
sehr Angenehmen Wein,
man reibt sich,
Dass es wirke,
die Glatze damit ein.

Dem Birkenreiserbesen
gebühret Preis und Ehr;
Das stärkste Kehrichtwesen,
Das treibt er vor sich her.

Von Birken eine Rute,
Gebraucht am Rechten Ort,
Befördert oft das Gute
mehr als Das beste Wort.

Und kommt das Fest der Pfingsten,
Dann schmückt mir fein das Haus,
Ihr, meine liebsten Jüngsten,
Mit Birkenzweigen aus.

WILHELM BUSCH

54

Doktor Wald

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen
mich unverstanden fühle und alt
und mich die schönsten Musen nicht liebkosen
dann konsultiere ich den Doktor Wald

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater
mein Orthopäde und mein Internist
er hilft mir sicher über jeden Kater
ob er aus Kummer oder Cognac ist

Er hält nicht viel von Pulverchen und Pille
doch umso mehr von Luft und Sonnenschein
und kaum umfängt mich seine sanfte Stille
raunt er mir zu: Nun atmen Sie mal ein!

Ist seine Praxis auch sehr überlaufen
in seiner Obhut läuft man sich gesund
und Kreislaufschwache, die noch heute schnaufen
sind morgen ohne klinischen Befund

Er bringt uns immer wieder auf die Beine
und unsere Seelen stets ins Gleichgewicht
verhindert Fettansatz und Gallensteine
bloß Hausbesuche macht er leider nicht.

VERFASSER UNBEKANNT

55

Was ich dir wünsche?

Nicht, dass du tausend Meter hoch
über dem Meer
auf dem Libanon stehst
wie die Zeder.

Aber das wünsche ich Dir,
dass du dem Himmel nahe bist
und mit der Erde kräftig verbunden.

Dass Deine Wurzeln Wasser finden
und deine Zweige im Licht sind.

Aus dem Libanon
Verfasser unbekannt

56

In eigener Sache

Ich häng oft den Gedanken nach,
die teilweis stürmisch, teils gemach
die Gänge meines Hirns erfüllen.
Doch denken kann ich nur im Stillen.

Im Wald zum Beispiel!
zwischen Bäumen,
dort kann ich dichten, kann ich träumen.
In Gegenwart von Baum und Tier,
da kommen die Gedanken mir.

HEINZ ERHARDT

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Zugeschickt

Baum
Meist mehr als 5 m hoch wachsendes Holzgewächs mit mehr oder weniger hohem Stamm und einer Krone, die entweder aus beblätternden Zweigen – Wipfel-Baum – oder aus großen Blättern, so genannten Wedeln – Schopf-Baum, Baumfarne, Palmen, Grasbäume – besteht. Es gibt Laub abwerfende, und immergrüne Bäume, letztere mit lederartigen Blättern oder Nadeln. Höhe bei Eukalyptus-Bäumen über 150 m. Stammdurchmesser bei Mammutbäumen 11 m; Manche sind Zier- andere Nutzbäume; letztere liefern Holz und dergl., Gerb-, Bitter-, Farbstoffe, Harz, Saft, Obst, Kautschuk u.a. Kulturformen: Hoch- und Halbstamm, Busch- und Formbaum; Baumformen: Kugel-, Kopf- Pyramiden-, Hänge-, Schirmbaum. Mammut-Baum und Rieseneukalyptus können 1500 Jahre, die Eibe sogar 2000 Jahre alt werden…

Baumfrevel
Als Sachbeschädigung oder als Polizeidelikt strafbare Beschädigung von Bäumen.

Baumkreuz
Das Kreuz Christi in Gestalt eines Baumes, als Sinnbild des Lebensbaum. Die frühesten Darstellungen des Baumkreuzes sind in Handschriften des 12. Jh.

Kett- und Warenbaum, Baum der Reisenden, Baumberge, Baumfalke, Baumfarne, Baumfrösche, Baumgrenze, Baumhaar, Baumhaus, Baumheide, Baumkänguruhs, Baumläufer, Baummarder, Baumpieper, Baumsarg, Baumscheibe, Baumschläfer, Baumschlinge, Baumschule, Baumschwamm, Baumstachelschweine, Baumstammwerfen, Baumgrille, Baumspitzmaus, Baumwachs, Baumwachtel, Baumwanzen, Baumwaran, Baumwollbaum, Baumwollsameneiweißfaser, Baumwürger etc.

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Wir sprechen von …

Wir sprechen von unserer niederrheinischen Landschaft , von ihren wogenden Getreidefeldern, von den sattgrünen Weiden mit den schwarzbunten Kühen, von den pappelbesäumten Landwegen, von den Wäldern – als sei das Natur, die man vor dem vernichtenden und verfälschenden Zugriff der Menschen zu retten habe. Dabei machen wir uns selbst, wenn auch unwissentlich, etwas vor. Ein sachliches Gespräch mit einem Naturhistoriker klärt uns rasch und gründlich darüber auf, wie wenig natürlich die Landschaft ist, in der wir leben und in der unsere Eltern und Großeltern gelebt haben. Was den größten Wald des Niederrheins, den Reichswald betrifft, so liegt seit dem 13. Jh. das urkundliche und seit dem 14. Jh. das Rechnungsmaterial so vollständig vor, dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen dürfen, schon seit karolingischer Zeit sei das eine Baumplantage gewesen, die regelmäßig und vollständig nach wirtschaftlichen und forstlichen Gesichtspunkten genutzt und erneuert wurde. Man braucht kein Bauer zu sein um einzusehen, dass die niederrheinischen Weiden kein Stück Natur sind, sondern Ergebnis eines planenden Eingriffes in die natürliche Landschaft.

FRIEDRICH GORISSEN

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Bäume beherbergen …

Bäume beherbergen neben Vögeln viele andere Tierarten, die in ihnen wohnen, und die sie sogar ernähren, auch uns, mit ihren Nüssen, Esskastanien und Früchten der Obstbäume. Inzwischen wohnen auch Menschen in ihnen, denn der neueste Trend sind luxuriöse Baumhäuser, auch für Familien.
Kinder stellen nicht so hohe Ansprüche, sie sägen, hämmern, schrauben und nageln gerne, bauen sich ein eigenes Reich. Dort oben, über der Welt der Erwachsenen, haben sie den vollen Überblick. Mit Proviant ausgestattet, lässt es sich da prima leben.
Wer da kein Häusjen hat, aber von oben aus kucken will, kann an Bäumen hochklettern, oder findet in Wald und Feld einen Hochsitz. Dort ist man ganz nah am Himmel, und schaut weit über´s Land, besser noch mit einem Fernglas.

CACO

60

Nicht nur der Saure Regen

Es ist nicht nur der Saure Regen, der die Bäume sterben lässt. Ordnungsfanatismus und ökonomische Interessen räumen die Landschaft auch aus. Mit verbissener Zielstrebigkeit werden Bäume und Büsche gefällt, zersägt, zerschnitten und zerstückelt Die Leichenteile liegen – pingelig geordnet nach ehemaligem Stamm, nach Ästen, Zweigen und Wurzeln, am nunmehr leeren Hang. Doch nicht einmal der Holzwert zählt. Bäume und Pflanzen werden zu Abfall. Es herrscht Ordnung im Land.

UNBEKANNTER VERFASSER

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GINGO BILOBA

Dies Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten
Wie´s den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als Eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich Eins und doppelt bin?

JOHANN WOLFGANG von GOETHE
Aus „Westöstlicher Divan“

62

Bäume schenken uns Luft

Bäume können nicht weglaufen, sie müssen allem standhalten und erhalten von der Natur ihre unverwechselbaren Formen. Sie gleichen Müttern, die auch nicht fliehen können. Sie müssen ihre Kinder schützen, nähren, sie halten aus und erstarken am Widerstand, meistens. Bäume sind unsere Eltern, , sie schenken uns Luft und damit Leben. Kleine oder Riesen, junge oder alte sind dem Menschen anvertraut und nicht dessen Eigentum.
Er erschafft sich selbst den Erstickungstod, wo sowieso doch das Ozonloch die Erde aufheizt. Bäume sind etwas Heiliges, wenn man das Schattenspiel der Blätter beobachtet oder die Regentropfen, die an nassen Tagen herab perlen.
Für ein Baugrundstück sind nun wieder fünf Helden verschwunden. Wessen Mutter oder Vater waren sie? Wusste keiner, dass in den Bäumen Engeln wohnen und auf die schlafenden Städte herabblicken. Bäume sind aus Holz, aus Holz werden Bücher gemacht, zum Buch die Buche wurde. Aus ihren Rinden kann man Märchen, Jahre, Küsse lesen. Neugepflanzte kleine Bäume, welch` schwere Aufgabe harrt ihrer, um ein Stück heilige Zeit wieder herbeizuwehen. Oft wissen Menschen gar nicht, warum sie sich plötzlich wohl fühlen, manchmal durch einen Baum mit seiner energiegeladenen Aura.

HILDE GUMNIOR-SCHWELM

63

Nach „Allerleirauch“
einem deutschen-Märchen.

Also, da gabs einen König, der hatte die schönste Frau auf Erden, mit goldenen Haaren. Als sie im sterben lag, sprach sie zu ihm „Wenn du wieder heiraten willst, nimm keine die nicht genauso schön ist wie ich, die keine goldenen Haare hat“. Der König versprach´s und schickte Boten in die ganze Welt, um eine zu suchen, die genau so schön war, wie die Verstorbene. Aber es war keine zu finden. Daraufhin verliebte sich der König in seine Tochter, die gerade so schön war, wie ihre Mutter. Mit seinem Dickschädelmund srach er: „Ich will sie heiraten, denn sonst kann ich doch keine Braut finden, die ihr gleicht“. Seine Berater bekamen ´nen Schock, sagten: „´ne Teufelsidee. Gott selbst hat verboten, dass Väter ihre Töchter heiraten, aus dieser Sünde heraus kann man beschtimmpt nur Zombys gebären!“ Als die Tochter das hörte, flippte sie aus, und um ihrem Schicksal zu entgehen, forderte sie von ihrem Vater Unmögliches. Aber im Märchen gelingt Königen ALLES (aber locker, boh eh!) Es gab also keine Hoffnung für sie, Väterchens Herz umzuwenden. Da haute sie ab in einen großen Wald, der gehörte, ganz klar, auch dem Daddy. Als ihr die Socken qualmten, verkroch sie sich in einen hohlen Baum und schlief. Der König war echt sauer, sogar sehr, sehr sauer, er fluchte und schrie alle an. Er konnte es einfach nicht ab, wenn er seinen Willen nicht bekam. So war er eben, seine Frustrationstoleranzgrenze war nicht besonders hoch. Aus lauter Frust ging er im besagten Wald (könnt ihr euch ja denken) auf die Jagd. Ihm gehörte hier alles, auch die leckeren Viehcher, die da so rumliefen. Als seine Hunde an DEN Baum kamen, machten sie total Palaver. Da rief er seine Jäger und befahl ihnen: „ Nehmt das „Wild“ gefangen, bindet es auf einen Wagen und nehmt es mit!“ Da fanden sie die verstörte Königstochter, die um ihr Leben bat und um einen „ein € Job“. Das versprachen die Jäger, die sowieso gerade eine Magd suchten, jetzt hatten sie auch noch so´ne Schöne! Sie wurde in die Küche gesteckt, pennen musste sie unter der Treppe, ohne Tageslicht. Davon war sie ziemlich schnell genervt, ständig Holz- und Wasserschleppen, kochen und putzen, Feuer schüren, Federvieh rupfen, Gemüse sortieren, Asche kehren, da hatte sie keinen Bock drauf. Als Prinzessin hatte sie sich nie die Hände schmutzig gemacht, sondern den ganzen Tag nur mit nix-tun verplempert.
So wie hier in der Küche hatte sie sich ihre Karriere nicht vorgestellt, so ganz ohne Aufstiegschancen! Schöne S……e!!! Selbst eine Gewerkschaft oder einen Betriebsrat gab´s nicht, um sich zu beschweren…..!!! Dann doch lieber Königin werden. Es gelang ihr mit Tricks, Verwirr- und Versteckspielchen, Kostümen, leckerem Essen und so, sich wieder im Schloss breitzumachen (war ja klar!). Durch ihre harte Lehrzeit hatte sie sich dermaßen verändert, dass der König, die immer noch Schönste im Lande, nicht erkannte (Alzheimer?). So eine hatte der König noch nicht mal in der Glotze geseh´n, ja, die wollte er heiraten (ein Vorwand, um eine Leibeigene zu gewinnen?)
Doch nach der Hochzeit lief es nicht gut für ihn, damit hatte er sich ein dickes Ei gelegt, denn sie ließ ihn nie „an ihre Wäsche“, nein, nein, nein.
Darüber ärgerte sich ihr Vatter dermaßen, dass er lieber früh ins Gras biss, und wäck war er!
Nun konnte sie endlich ihren Reitlehrer heiraten.

Was das alles mit Bäumen zu tun hat? Nun denn: Wie wir sehen, verhindert selbst ein hohler Baum nicht so ein saublödes, deutsches Märchen.

CACO

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Bäume sind …

Bäume sind wie Menschen, alle verschieden und doch ähnlich. Ein Sturm kann sie aus der Bahn werfen, kann sie zerstören, und wenn es ganz schlimm kommt, zerbricht ein Baum, so auch der Mensch. Einen gefallenen Baum wieder aufzurichten, gelingt nicht immer und ist mit großer Mühe verbunden, so auch bei gefallenen Menschen.

RENATE SOMMER

65

Manchmal

Ja, manchmal liest man schockierende Zahlen, man wird allerdings schnellstens beruhigt, alle Beteiligten schwören, endlich mit den Schweinerei aufzuhören, loben Besserung. Dann wird von Gutachten gesprochen, die den Ernst der Lage dokumentieren sollen, in Zahlen, Rubriken und Werten. Danach erst könne man entscheiden, wie man handeln soll. Unterdessen stirbt der Wald weiter, auch nach dem nächsten Schock, der wieder alarmierende Zahlen nennt. Alle murmeln wieder „Na, da schau`n wir mal…!“ Bäume schenken uns sehr viel. Heutzutage opfern wir sie, schlagen sie an´s Holz-Kreuz! Wir haben Bretter vor`m Kopf, wir wollen nichts sehen davon. Wann hören wir endlich die Hilferufe kranker Bäume und sterbender Wälder?

CACO

66

Der Obstbaum

Der Dichterfragte den Obstbaum: „Wie erzeugst du deine Farben?“ Der Baum erwiderte: „Seit meiner Entstehung bin ich in Trauer. Meine bunten Früchte sind nur die andere Seite dieser Trauer.“

HAKKI CIMEN

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